Spiel des Jahres e.V.
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 Geschichte

Dass ein bestimmtes Fußballspiel für viele das Spiel des Jahres sein kann, das wissen wir. Aber dass der Fußball dazu beigetragen hat, dass das „Spiel des Jahres“ seit mehr als einem viertel Jahrhundert vergeben werden kann, das wissen nur Wenige. Und deshalb lohnt ein kleiner Rückblick von einem, der von Anfang an dabei gewesen ist.

Die Idee, ein „Spiel des Jahres“ zu wählen, ging Jürgen Herz schon eine Weile im Kopf herum; die Gelegenheit, diese Idee einem kompetenten Publikum vorzutragen kam während der Spielwarenmesse im Februar 1978. Wie immer luden Margot und Tom Werneck anlässlich der Messe einige Freunde, Verleger, Spieleautoren und Journalisten in ihre Privatwohnung in Erlangen ein, wo man sich in gemütlicher Runde am warmen Kamin traf,  fachsimpelte, Kontakte knüpfte und sich vor allem nett unterhielt. (Später ging aus diesem privaten Treff Tom Wernecks  „Journalistentreff im Bocksbeutelkeller“ in Nürnberg hervor, wegen der begehrten aber begrenzten Plätze ein beliebtes Klatschthema bei Eingeladenen und besonders bei Nicht-Eingeladenen und vor allem ein wichtiger Treffpunkt während der Spielwarenmesse.)  An diesem Abend saßen u.a. Bernward Thole, der im Jahr 2004 verstorbene Alex Randolph – der sich noch bis zu seinem Lebensende gut an den Abend und die Diskussion erinnerte – Margot und Tom Werneck natürlich, Gilbert Obermaier, Dieter Hasselblatt und noch einige andere damals bekannte Spieleautoren und Journalisten um den Kamin und hörten sich den Vorschlag von Jürgen Herz an, ein „Spiel des Jahres“ zu wählen.

Das Logo des ersten Preisträgers

Das Logo des ersten Preisträgers

Die Begründung erschien einfach – mit diesem Preis unterstreicht man zweierlei: 1. dass es jedes Jahr neue Spiele gibt  und 2. dass es jedes Jahr herausragend neue gute Spiele gibt; eine wichtige Abgrenzung also zu dem damaligen Volksglauben, es gäbe als Brettspiele nur Mühle, Dame, Halma und Schach. Die Idee wurde sofort kontrovers diskutiert, der mögliche PR-Wert  erkannt oder auch in Frage gestellt. Auf die Idee, dass der vorgeschlagene Preis einmal Aktienkurse von Unternehmen beeinflussen könnte, kam damals natürlich noch niemand. Aber am Ende war man sich einig:  Daraus könnte etwas werden.


Nun ist eine Idee ja eine Sache, sie in die Realität umzusetzen eine andere. Und da kam König Fußball zu Hilfe. In diesem Jahr 1978 fand in Argentinien die Fußball Weltmeisterschaft statt und die Firma Mieg hatte eine gute PR- Idee für das von ihr vertriebene Tipp-Kick Tischfußballspiel. Vor der Fußball-WM lud die Firma Journalisten und „Profi“-Spieler der Tipp-Kick Bundesliga – die es ja nach wie vor gibt – zu einer vorweggenommenen Fußball-WM mit Tipp-Kick ein. Die eingeladenen Journalisten – jeder im Trikot eines der Länder, die tatsächlich an der WM in Argentinien teilnahmen- und ein Spieler der Tipp-Kick Bundesliga spielten zusammen gegen die anderen Teams. Wie das Turnier damals ausging ist nicht mehr bekannt. Im richtigen WM-Turnier jedenfalls gewann Argentinien.

 

Dieser glückliche Zufall des Tipp-Kick-Turniers führte jedenfalls dazu, dass alle, die seit dem Abend bei Wernecks am Kamin genug Zeit hatten, die Sache mit dem „Spiel des Jahres“ zu überdenken, sich nun nach relativ kurzer Zeit wieder in Erlangen treffen konnten. Und die Gelegenheit wurde genutzt, am Rande des Turniers die Idee und die mögliche Umsetzung weiter zu diskutieren. Und dies führte schließlich dazu, das man sich am Ende in Erlangen in einem Biergarten traf und die Gründung des „Spiel des Jahres e.V“. beschloss!

Nun sagt man Deutschen ja nach, dass sobald drei davon zusammensitzen, sie einen Verein gründen – stimmt übrigens nicht, nach dem Gesetz müssen es schon sieben sein. Aber man fragt sich doch, wieso kommt ausgerechnet solch ein Trupp von Individualisten, wie es Journalisten meistens sind, dazu einen Verein zu gründen. Und das nur um aus einem Spielejahrgang das ihrer Meinung nach beste Spiel zu wählen.

Die Antwort darauf ist auch einer der Erfolgsgründe für den Preis überhaupt. Mit einem Verein konnte man regeln, dass nur Personen, die nicht  von Herstellung und Vertrieb von Spielen abhängig sind, Mitglied und damit wahlberechtigt werden konnten. Und zweitens konnte man über die jedermann zugängliche, bei Gericht hinterlegte Satzung des Vereins das Wahlverfahren transparent machen. Die über den Verein mögliche Kontrolle der Unabhängigkeit und die Tatsache, dass dieses Prinzip von Beginn an bis heute strikt beibehalten wurde, sind zwar wesentliche Gründe für die erstaunliche Wirkung, die der Preis mittlerweile national und international hat. Aber das allein reichte noch nicht.

 

Idee, Fußballturnier, Verein, das alles hätte nichts genutzt ohne das enorme zeitliche und in den ersten zehn Jahren auch finanzielle Engagement der Mitglieder. Alles musste ja neu organisiert werden, Vereinssatzung, Eintragung bei Gericht, Organisation der Preisverleihung, Bemühung um Sponsoren, und, und, und. Neben den anderen Gründungsmitgliedern* der Jury und den im Laufe des Jahre hinzugekommenen hat sich vor allem  Bernward Thole sehr engagiert, der das „Spiel des Jahres“ zusammen mit seinem „Deutschen Spiele-Archiv“  zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat.

Die finanzielle Unterstützung kam in den Anfangsjahren vom damaligen Bundesministerium für Familie, Jugend und Gesundheit, und dessen Ministerin Frau Antje Huber war auch verantwortlich dafür, dass die Preisverleihung 10 Jahre lang in Essen im Forum der Volkshochschule stattfand.

Frau Huber hatte nämlich ihren Wahlkreis in Essen und sah in der Preisverleihung eine gute Gelegenheit, nebenbei ein bisschen PR-Arbeit für ihre Stadt zu machen. Damals hatte die Preisverleihung noch nicht diesen, der mittlerweile immens gestiegenen Bedeutung des Preises für die Spieleszene angemessenen, offiziellen Charakter. Die Preise wurden im Rahmen eines –im Rückblick gemütlichen- Spieleabends verliehen, zu dem Familien aus dem Ruhrgebiet eingeladen waren. Bei dieser Gelegenheit konnte man auch beobachten, dass die Bundesministerin die Sache des Spiels nicht nur engagiert förderte, sondern selbst auch eine begeisterte und äußerst gewitzte Mitspielerin war. Noch bis vor einigen Jahren ließ sie es sich nicht nehmen, bei Veranstaltungen der „Spiel des Jahres“-Jury während der Spielertage in Essen zu erscheinen und mitzuspielen.

Nur wenige wissen, dass das erste „Spiel des Jahres“ sozusagen zweimal gewählt wurde: Bis zum Herbst 1978 hatten wir es nicht geschafft, all die organisatorischen Voraussetzungen für eine Preisverleihung zu bewältigen, so dass zwar eine Wahl stattfand, aber keine offizielle Preisverleihung. Die erste „richtige“ Wahl mit anschließender offizieller Preisverleihung fand 1979 statt – und genau wie im Jahr zuvor wurde wieder „Hase und Igel“ von David Parlett, erschienen bei Ravensburger gewählt. 

Mit der Wahl dieses herausragenden Spiels hatte die Jury einen Qualitätsmaßstab gesetzt und eine Erfolgsstory hatte begonnen.

Jürgen Herz

* Die Gründungsmitglieder waren: Jochen Corts, Harald Fritz, Walter Luc Haas, Dieter Hasselblatt, Jürgen Herz,  Dr. Bernward Thole, Tom Werneck.

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