Spielende Erzieher

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Montag, 16. Januar 2017

Motivation und Multiplikation: Spielen für angehende Erzieher

Spielend lernen, spielerisch lernen – wer diese Schlagworte als Suchbegriffe im Internet eingibt, der erhält Hunderttausende Treffer. Kein Wunder, denn die Erkenntnisse der Forschung zu diesem Thema werden immer umfangreicher. 

Vergleiche ich die Herangehensweise heutiger Grundschullehrer mit jener aus meiner Kindheit (die jetzt doch schon fast 40 Jahre zurückliegt), so hat sich viel getan. Das habe ich vor allem gemerkt, als meine eigenen Kinder die Grundschule besuchten. Oft habe ich ihnen neugierig dabei zugesehen, wie sie ihre Hausaufgaben machten und mir dabei gewünscht, dass es diese spielerischen Vorgehensweisen zum Erlernen bestimmter Themen auch schon zu meiner Zeit gegeben hätte. Aber damals durfte man in der Schule nicht spielen – das war nur erlaubt, solange man den Kindergarten besuchte. 

Dort wird natürlich auch heute noch gespielt. Neben Zeichnen, Bauen, Puzzeln beschäftigt man sich da auch mit Rollen-, Bewegungs-, Lern- und Gesellschaftsspielen. Wie intensiv die Erzieher und Sozialpädagogen ihre Schützlinge mit den einzelnen Spielsparten konfrontieren, hängt auch immer vom Einzelnen ab, wobei hier natürlich persönliche Vorlieben eine große Rolle spielen. Weil Erzieher aber im Grunde Multiplikatoren zum Thema "Spielen" sind, stößt man in den Lehrplänen der Erzieher- oder Sozialassistentenausbildung in Deutschland in unterschiedlichen Lernbereichen immer wieder auf spielpädagogische Elemente. Die Handhabe ist in anderen Bundesländern sicherlich unterschiedlich - aber bei uns in Rheinland-Pfalz sind diese Lernbereiche recht offen formuliert, so dass es den Lehrern überlassen bleibt, wie sie sie umsetzen.

 

An der Berufsbildenden Schule für Sozialwesen, Gesundheit und Hauswirtschaft in Ludwigshafen bin ich auf einen sehr engagierten Lehrer gestoßen. Er ist der Auffassung, dass sich die angehenden Erzieher auch im Rahmen Ihrer Schulausbildung mit Brett- und Kartenspielen beschäftigen sollen, damit sie selbst erleben können, wieviel Spaß man damit haben kann. Dann erfolge seiner Meinung nach die spätere Weitergabe dieser Spielfreude an ihre Zöglinge ganz automatisch.

Aus diesem Grund hatte er sich an das Kinder- und Jugendbüro in Ludwigshafen gewandt. Dort gibt es Fachkräfte, die Gesellschaftsspiele vorstellen und erklären. Einen Schultag lang wurden an der Berufsbildenden Schule also Kinderspiele vorgestellt, die sich für Kinder im Vor- und Grundschulalter eignen. In den ersten 30 Minuten wurden neue Spiele vorgestellt und deren Ablauf kurz erklärt, später durften die angehenden Erzieher nach Herzenslust Spiele ausprobieren. Da ihnen alle Spiele erklärt wurden und keiner die Regeln selbst lesen musste, konnte jede Gruppe auch tatsächlich eine ganze Menge an Spielen ausprobieren; die Eifrigsten unter ihnen schafften fast 20. Im Vordergrund sollte vor allem der Spaß am Spielen stehen.

Zwei Vorgaben gab es jedoch: Zum einen mussten die Schüler alle Titel notieren, die sie ausprobiert hatten. Außerdem sollten sie zu jedem Spiel folgendes notieren:

  • Welche Voraussetzungen müssen Kinder mitbringen, um dieses Spiel spielen zu können (Farben, Zahlen, Buchstaben usw.)?
  • Wieviel Spaß hat es gemacht?
  • Was lernt man dabei?

Zur Auswahl stand eine bunte Mischung aus neuen und alten Spielen sowie Klassikern. Somit war für jeden Geschmack etwas dabei und die Schüler erkannten recht schnell, dass ein- und dasselbe Spiel nicht zu jeder Zeit das Passende ist. Anfangs hatte man noch viel Spaß an Spielen, bei denen es hektisch zuging oder wo man sich viel merken musste, während nach einigen Stunden die Konzentration doch langsam nachließ und man sich eher gemütlichen Spielen zuwandte, bei denen es auch nichts machte, wenn man mit den Gedanken nicht immer komplett bei der Sache war.

An der Berufsbildenden Schule für Sozialwesen, Gesundheit und Hauswirtschaft kam dieser Unterrichtstag der etwas anderen Art bei Lehrern und Schülern gleichermaßen gut an, so dass der organisierende Lehrer bereits um vier weitere Termine in anderen Klassen gebeten hat. Gerne werde ich wieder dabei sein, wenn ich Zeit habe, und ich wünsche mir, dass solche Schultage in dieser oder einer ähnlichen Form auch an anderen Ausbildungsstätten für angehende Erzieher durchgeführt werden!