Atlantis

Keine Neuerscheinung, wohl aber die üppig ausgestattete Neuausgabe eines schon viele Jahre erfolgreichen Familienspiels, das immer wieder Abwechslung und Spannung bringt: Atlantis (Parker). Ein Titel, der Programm ist. Letzte Zweifel, was die 2 -4 Spieler wohl erwarten mag, beseitigt jedenfalls die Bezeichnung der Spielanleitung als "Überlebens-Handbuch". Jeder führt eine Gruppe von Insulanern, die zu Beginn auf dem antiken Inselreich beliebig verteilt werden. Möglichst so, daß sie schnell eines der vor der Küste ankernden Schiffe erreichen können.

Denn mit jedem Zug versinkt ein Teil der Insel im Meer, und jeder versucht natürlich, einen Platz für die Überfahrt zu ergattern. Doch auch die ist alles andere als ungefährlich.

Da können Kraken auftauchen, die ein Schiff in die Tiefe ziehen und die Passagiere den Haien ausliefern. Oder gar ein Seeungeheuer, das Schiff und Passagiere gleich auf einmal verschlingt. Wohl dem, der das Glück hat, von einem Delphin aus der Gefahrenzone gezogen zu werden.

Zwar kann im weiteren Verlauf immer mal wieder ein neues Schiff flottgemacht werden. Doch das Durchkommen wird immer schwieriger, weil das unfreundliche Getier ständig Zuwachs bekommt und bald allgegenwärtig ist.

Gegen Ende wird das Gedränge auf den verbliebenen Felsen so groß, daß sich die noch verbliebenen Insulaner direkt in die Fluten stürzen müssen. Die Chancen, die ganze Strecke bis zum rettenden Festland schwimmend zu schaffen, sind freilich nicht eben groß.

Atlantis hat einen nicht gerade geringen Ärgerfaktor. Wer sieht schon gern, wie ein Boot mit seinen Leuten kurz vor Erreichen des Festlands von einem Kraken ins Meer gezogen wird und daß die lieben Mitspieler dann auch nichts besseres zu tun haben, gleich noch ein Rudel Haie dorthin zu dirigieren?

Andererseits hat das Spiel auch ein durchaus beachtliches kooperatives Element. Gemischte Besatzungen haben es naturgemäß nun mal leichter durchzukommen, als wenn ein Teilnehmer nur an seinen persönlichen Vorteil denkt.

Glück und taktischer Einfluß halten sich die Waage. Die aufwendige Ausstattung hat allerdings ihren Preis von knapp 80 DM, sorgt dafür aber auch für entsprechend große atmosphärische Dichte.

(L.U. Dikus)