Bau auf!

Auf der Ostalgie-Welle reitet BAU AUF! von Robert Kurek. Ein satirischer Rückblick auf Freud und Leid der Mangelwirtschaft im real exerzierten Sozialismus. Voller Anspielungen und Seitenhiebe, die einen schon beim Lesen der Spielanleitung immer wieder schmunzeln lassen.

Vier Handwerker wetteifern beim Bau ihrer Datschen. Während etwa der Maurer bisweilen über Fliesen und Putz im Überfluß verfügt, kann der Klempner immer mal mit Heizkörpern und Wasserhähnen aushelfen. Für Türen und Regale ist der Tischler zuständig, und mit Licht und Steckdosen kann der Elektriker seine Mitspieler versorgen. Geld spielt keine Rolle, Tauschhandel ist das Gebot der Stunde.

Wenn das Würfelglück es erlaubt, läßt sich fehlendes Material auch schon mal von einem fremden Bauplatz "sozialistisch einkaufen", vulgär: klauen. Und ein originell gestalteter Einheits(flaschen)öffner verdoppelt den Materialfluß. Sofern man ihn noch besitzt, wenn man in der nächsten Runde wieder an die Reihe kommt. Wer zuerst beide Stockwerke hochgezogen und das Dach daraufgesetzt hat, beendet damit das illustre Treiben. Trotzdem muß er nicht der Sieger sein. Denn ein vollständig ausgestattetes Wohnzimmer bringt nunmal mehr Punkte als eine kleine Kammer. Außerdem gibt es Förderpunkte, wenn jeder Zimmertyp mindestens einmal vollständig vertreten ist. Und die meisten Zimmer eines Typs werden mit einem Protzpunkt belohnt.

Spielerisch bietet BAU AUF! eher leichte Kost. Dank seiner gelungenen thematischen Umsetzung vermag es gleichwohl gerade auch eine Erwachsenenrunde anzusprechen, besonders wenn die Teilnehmer eigene Erfahrungen einbringen können.

Das gut ausgestattete Spiel kostet gerade einmal 40 DM. Es ist im BuschFunk Verlag (Rodenbergstraße 8, 10439 Berlin) erschienen, der mit ÜBERHOLEN OHNE EINZUHOLEN und ES GEHT SEINEN GANG bereits zwei themenverwandte Vorläufer erfolgreich unters vereinte Volk hat bringen können.

(Jochen Corts)