Beim Zeus

Wenn 3 - 6 Halbgötter einen Wettbewerb im Tempelbauen austragen, schießen die Grundstückspreise bald in den Himmel. Jeder versucht nämlich, möglichst viele benachbarte Parzellen zu ersteigern, um entsprechend große Bauten errichten zu können.
Da die Gebote für die drei jeweils zur Versteigerung kommenden Parzellen verdeckt abgegeben werden, muß, wer sichergehen will, vorsichtshalber ein paar Stiere mehr opfern, als sich im nachhinein als nötig erweist. Dafür beschert einem das höchste Gebot freie Auswahl, und kann der Zweitplazierte immerhin auch noch zwischen den beiden verbliebenen Objekten wählen, während alle übrigen leer ausgehen.

Nicht minder verheerend für den Stierbestand ist es, daß für die spätere Bebauung noch einmal derselbe Preis wie für das Grundstück entrichtet werden muß. Andererseits bringen Tempel auch wieder neue Stiere, je früher errichtet und je größer gebaut, desto mehr.

Auch die Schlußabrechnung ist von göttlicher Raffinesse. Die Grundwerte der verschiedenen Tempelgrößen werden nämlich mit der Anzahl dieser Tempel multipliziert, so daß auch kleine Bauwerke eine hohe Rendite abwerfen, wenn es davon nur genug gibt. Lediglich der Grundwert der größten Tempelart scheint deutlich überhöht und sollte von vornherein halbiert werden.

Am besten spielt sich der von Klaus Palesch ausgerufene Bauwettstreit zu dritt oder viert. Dann sind, Beim Zeus!, spannende 90 Minuten garantiert, die den Preis von ca. 60 DM schnell vergessen lassen.

(L. U. Dikus)


Klaus Palesch, der Mann hinter den beiden hervorragenden Kartenstichspiele "Sticheln" und "Hattrick" hat mit "Beim Zeus" nun auch sein Debüt als Autor von Brettspielen gegeben und es ist, das möchte ich gleich jetzt verraten, gelungen.

Wie der Titel schon vermuten läßt, spielt das Ganze im antiken Griechenland, doch könnte es auch sonstwo spielen, das Thema ist nur aufgesetzt. Der Spielplan zeigt 7 Inseln, von denen 5 aus 2x3 und 2 aus 3x3 Feldern bestehen. Insgesamt sind also 48 Felder vorhanden, die nun versteigert und dann mit Tempel bebaut werden sollen.

Bevor es aber soweit ist, erhält jeder Spieler noch etwas Startgeld und ein (bei drei Spielern zwei) Grundstücke, die er nicht bezahlen muß, was, wie man sehen wird, für das Weitere von Bedeutung ist. Die Nummer des Grundstücks und dessen Preis, in diesem Fall also Null, trägt er auf seiner Liste der Besitztümer ein. Wer am Zug ist, deckt zunächst einmal drei Grundstückskarten auf und entscheidet, ob sie versteigert werden sollen. Ist dem so, dann stellt jeder auf einer Scheibe den Preis ein, den er für eines der Grundstücke zu zahlen bereit ist. Haben dies alle getan, wird aufgedeckt und der Meistbietende darf sich nun eines der drei Grundstücke aussuchen. Anschließend ist dann der Spieler mit dem zweithöchsten Gebot an der Reihe und darf aus den restlichen beiden Karten eine aussuchen. Die dritte wandert dann auf den Ablagestapel.

Nachdem die beiden Käufer ihr neues Grundstück bezahlt und durch einen Spielstein markiert haben, müssen sie nun dessen Nummer und Kaufpreis wie gehabt auf der Liste der Besitztümer eintragen. Eines sollte übrigens beachtet werden. Der jeweilige Startspieler darf zu seinem Gebot stets 3 hinzuzählen, muß dies aber weder bezahlen noch beim Kaufpreis vermerken.

Wozu geschieht nun aber dieser ganze Verwaltungsaufwand mit Grundstücksnummer und Kaufpreis notieren, wo doch ohnehin die erworbenen Grundstücke am Plan markiert werden? Nun, diese Informationen werden beim Bau eines Tempels benötigt, der statt des Verkaufs der aufgedeckten Grundstückskarten durchgeführt werden kann. Die Karten wandern in diesem Fall auf den Ablagestapel, der erst dann wieder ins Spiel kommt, wenn alle Karten weg sind. Tempel gibt es in drei Größen, die ein, zwei oder in der Luxusausführung gar drei Grundstücke belegen. Um also einen Zweier- oder Dreiertempel bauen zu können, muß man geeignet nebeneinander liegende Grundstücke besitzen. Die Baukosten eines Tempels aber entsprechen dem Kaufwert der bebauten Grundstücke. Wurden also die Grundstücke teuer eingekauft, so ist auch deren Bebauung unverschämt teuer.

Nur zweimal in einem Spiel hat man die Möglichkeit, ein Grundstück kostenlos zu bebauen. Zum einen das zu Beginn erhaltene und zum anderen besitzt jeder Spieler einen Götterstein, der es ihm ermöglicht, für ein beliebiges Feld die Kosten zu sparen.

Benötigt man derartige Almosen aber nicht, weil man ohnehin im Geld schwimmt, so kann man stattdessen den Götterstein für die Vergrößerung eines bereits bestehenden Tempels oder die Verschmelzung zweier kleinerer verwenden. Für was aber auch immer, einmal benutzt ist die Gunst der Götter dahin.

Das Bauen und Werken endet schließlich, sobald alle Grundstücke an den Mann/Frau gebracht sind und eine letze Baurunde stattgefunden hat. Es ist aber auch ein vorzeitiges Ende möglich, wenn nämlich keine Tempel mehr gebaut werden können.

Um nun den Sieger zu ermitteln, muß zunächst einmal der Wert jedes Tempeltyps berechnet werden. Dazu wird sein Grundwert – 10 für Einer-, 30 für Zweier- und satte 150 für Dreiertempel mit der Anzahl der von diesem Typ gebauten Tempel multipliziert. Sind also z.B. insgesamt 8 Einertempel gebaut worden, so ist jeder 80 Stiere, die Einheit in diesem Spiel, wert.

Nach diesem Schema berechnet nun jeder den Wert seiner Tempel, addiert noch 100 bzw. 200 für jede kleine bzw. große Insel dazu, auf der nur er gebaut hat und vergißt auch das bißchen Bargeld nicht, das man vielleicht noch auf der Hand hat. Wer so auf die höchste Summe kommt, hat natürlich gewonnen.

Welche Tempel soll man also nun zu bauen versuchen? Die Antwort scheint auf der Hand zu liegen – natürlich die Dreier, die sind ja am meisten wert. Doch ganz so ist das nicht! Zwar ist ein Dreiertempel zunächst 15 mal soviel wert wie ein Einer, aber das ist nur der Grundwert und der wird dann ja multipliziert mit der Anzahl der gebauten Tempel.

Nun und daß es viel weniger Dreiertempel geben wird als Einer, das dürfte wohl klar sein. Ja bei 5 oder 6 Spielern dürfte es gar nicht so leicht sein, überhaupt die Grundstücke für einen solchen zusammenzubekommen. Und wenn es doch gelingt, dann wird, falls die anderen aufpassen, das ganze Unternehmen empfindlich teuer; zuerst beim Kauf des Grundstücks und dann ein zweites Mal bei der Bebauung.

Und damit sind wir bei einem zweiten Problem, dem Geld, das sich nach der ersten Finanzspritze zu Beginn des Spiels leider nur mehr in höchst bescheidenem Maße vermehrt. Immer dann nämlich, wenn man am Zug ist, darf man für bereits gebaute Tempel eine bescheidene Steuer einkassieren – 2 Stiere für jeden Einertempel, 5 für jeden Zweier- und 10 für jeden Dreier.

Große Sprünge kann man damit zwar nicht machen, aber wer früh genug zu bauen begonnen hat, kann vielleicht noch den Bau eines weiteren Tempels finanzieren und so möglicherweise den entscheidenden Vorsprung herausarbeiten.

Also soll man versuchen, möglichst schnell Tempel zu bauen? Sicher keine schlechte Idee, aber was tun, wenn just immer in der eigenen Runde und das ist ja die einzige Möglichkeit, wo man bauen kann, sehr interessante Grundstücke angeboten werden, die es mir vielleicht ermöglichen, größere Bauwerke ins Auge zu fassen.

Außerdem sind die Grundstücke in der ersten Hälfte ziemlich teuer und das wirkt sich wegen der damit verknüpften Baukosten doppelt schwer aus. Also wartet man besser zu und kauft erst später, wo man oft schon für 10 Stiere ein Grundstück ergattern kann. Und da alles billiger ist, kann man auch viel mehr kaufen und bauen und ... – aber wer sagt, daß das Spiel lange genug dauert? Sie sehen schon, man dreht sich im Kreis.

"Beim Zeus" ist und das wurde von einigen meiner Mitspieler kritisiert, kein spektakuläres Spiel. Es tut sich nicht sehr viel am Spielbrett, das meiste läuft im Kopf jedes Einzelnen ab. Abgesehen von gelegentlichen emotionalen Regungen, weil man ein bestimmtes Grundstück (vielleicht sogar günstig) erwerben konnte oder es leider nicht bekam, verläuft das Spiel scheinbar monoton dahin.

Dem ist aber nicht so, denn wie schon oben angedeutet, gibt es genügend zu überlegen und zu planen und man ist ständig am Geschehen beteiligt, weil man ja immer um die Grundstücke mitsteigern kann bzw. aufpassen muß, welche Grundstücke die anderen bauen.

Für mich hat "Beim Zeus" sehr viel mit "Medici" gemeinsam (sowohl vom Spielgefühl als auch vom Anspruch her), das noch immer zu meinen Lieblingsspielen zählt. Und deshalb gäbe es auch eine glatte 2, wären da nicht die Pappscheiben, mit denen man die Gebote einstellt. Sie sind aus so dünner Pappe und die Zeiger so schwer drehbar, daß diese zum Teil bereits geknickt sind. Hier wäre eine dickere Pappe notwendig gewesen. Ansonsten aber gibt es nichts zu meckern, auch nicht am Spielplan, der, wie einige Mitspieler bemerkten, fad wie das Spiel selbst ist. Dies stimmt zwar insofern, als daß er grafisch sicherlich keine Augenweide ist und man damit keinen Preis gewänne, doch wirkt er dadurch niemals überladen und ist das, was er sein soll – eine übersichtliche Hilfe für die Spieler.

(Helmut Wresnik)

"Beim Zeus" von Klaus Palesch, Kosmos, für 3 - 6 Spieler ab 12 Jahren