Bohanza

Eine ganze Reihe von Redensarten und Sprichwörtern signalisieren uns: gastronomisch standen die Bohnen bei unseren Vorfahren nicht gerade hoch im Kurs. Um etwas ganz strikt zu verneinen, sagt man noch heute:"Nicht die Bohne!" Und schon bei Gottfried von Straßburg heißt es im "Tristan" sinngemäß: "Sie hätten für ein besseres Leben nicht eine Bohne gegeben."
Noch dicker kommt es bei dem auch heute oft gehörten Ausspruch, der oder die sei nun einmal "dumm wie Bohnenstroh". Hier wird die Bohne allerdings ganz unschuldig herabgesetzt. Da ist zunächst einmal festzustellen, daß es gar kein Stroh von der Bohne gibt. Schließlich wachsen Bohnen nicht auf Halmen.

Germanisten sind dem nachgegangen. Nach ihrer überzeugender Auslegung hieß es ursprünglich denn auch "dumm wie ein Bund Stroh". Das "Bund Stroh" hat sich später mundartlich in "Bohnenstroh" verwandelt.

Während das Sprichwort "Hunger macht saure Bohnen süß" heute noch andeutet, daß dieses Nahrungsmittel in frühen Zeiten einmal als ein höchst minderwertiges anzusehen war, hat sich das inzwischen grundlegend gewandelt. Allein schon die Vielfalt der angebotenen Sorten deutet den heutigen Stellenwert der Bohnen an: Augen-, Brech-, Feuer- und Gartenbohnen, Rote Bohnen, Sau- und Sojabohnen.

Der Spieleautor Uwe Rosenberg hat sich davon anregen lassen, noch die "Blauen Bohnen" hinzugefügt und daraus ein tolles Kartenspiel mit dem beziehungsreichen Titel "Bohnanza" entwickelt. Sie erinnern sich vielleicht, da war doch einmal so eine Fernsehserie.....

Auf den insgesamt 104 Karten des Spiels kommen natürlich die "Blauen Bohnen" am häufigsten vor, insgesamt zwanzigmal. Die übrigen sieben Bohnensorten sind da durchaus rarer verteilt, bringen aber beim Verkauf auch entsprechend mehr Profit.

Wer drei Gartenbohnen auf den Markt bringt, kassiert dafür drei Goldtaler. Um den gleichen Preis bei den "Blauen Bohnen" zu erzielen, müßte er schon acht Stück angesammelt haben.

Aus naheliegenden Gründen steht vor dem Verkauf erst einmal die gärtnerische Betätigung. Mit dem Bohnenanbau beginnt man klein, wie im Leben: mit fünf Bohnenkarten in der Hand. Zu Beginn darf ich nur auf zwei Beeten Bohnen anpflanzen bzw. ablegen. Für welche Bohnensorte entscheide ich mich?

Jede dieser Karten zeigt unten mit einem "Bohnometer" an, wie die Wertsteigerungsmöglichkeiten einer bestimmten Sorte bei etwa 3, 5 und mehr Bohnen aussehen. Gerade bei den raren Bohnensorten ist es gut, zu beobachten und zu registrieren, was sich da so am Markt tut und wer was anbaut und verkauft.

Neue Karten bekomme ich nicht nur nach dem Anpflanzen bzw. Ablegen, sondern auch auf dem Tauschweg herein. Nur wenn ich den Markt genau beobachte, weiß ich, mit wem ich zu welchem Kurs tauschen kann und wann ich am am besten eine bestimmte Bohnensorte verkaufe.

Zuweilen schenkt einem auch ein verzweifelter Gärtner aus der Nachbarschaft etwas, etwa weil ihm eine bestimmte Bohnenkarte im Weg ist. Aber Achtung: Manchmal kommen solche Geschenke auch über den Zaun, um den beschenkten Nachbarn in eine falsche Richtung zu locken. Natürlich wird in jedem Falle lauthals die "stille Hoffnung" geäußert, daß später auch einmal etwas über den Gartenzaun wieder zurückkommt.

Karten aus der Hand dürfen übrigens nicht locker zusammengestellt und abgelegt werden. Sie müssen immer genau in der gleichen Reihenfolge (von rechts nach links oder umgekehrt) der Hand entnommen werden. Das erschwert natürlich fast immer das Geschäft.

"Bohnanza" ist ein tolles Kartenspiel, so toll, daß in diesem Jahr in die Auswahlliste des Kritikerpreises "Spiel des Jahres 1997" aufgenommen wurde.

(Bernward Thole)


Kartenspiele haben derzeit Konjunktur. Sie schonen den Geldbeutel der Verbraucher und erlauben den Verlagen, sie ohne großen logistischen Aufwand ins Programm zu nehmen. Anlaß zur Sorge, daß den Autoren in absehbarer Zukunft die Ideen ausgehen könnten, besteht jedenfalls nicht.

Zu den originellsten Neuerscheinungen gehört Bohnanza (Amigo) von Uwe Rosenberg. Schon fast kein Kartenspiel mehr im herkömmlichen Sinne, sondern eher eine taktische Wirtschaftssimulation, die eine gehörige Portion Verhandlungsgeschick erfordert.

Der Einstieg fällt leider nicht ganz leicht. Nach dem Lesen der Spielanleitung und auch noch während der ersten Partie pflegt sich zumeist eine gewisse Ratlosigkeit einzustellen, was man denn nun sinnvollerweise tun oder besser lassen sollte. Doch sobald sich das berühmte Aha-Erlebnis eingestellt hat, steht einem dauerhaften Spielvergnügen nichts mehr im Wege.

Gewöhnungsbedürftig ist zunächst, daß die Spieler die Reihenfolge der Karten auf der Hand während der gesamten Partie nicht verändern dürfen. Ein Umsortieren nach Werten ist also nicht erlaubt. Dies ist deshalb so wichtig, weil immer nur die vorderste Karte ausgespielt werden darf, was natürlich ziemliche Zwänge schafft, aber gerade auch den Reiz des Spiels ausmacht.

Durch Auslegen möglichst vieler Bohnenkarten derselben Sorte lassen sich Gewinne erwirtschaften. Das Problem dabei ist, daß man zu Anfang nur zwei Felder zur Verfügung hat und nach entsprechenden Einnahmen lediglich noch ein weiteres dazukaufen darf. Da mindestens eine Karte von der Hand ausgespielt werden muß und zwei weitere vom Talon, kann ein Spieler schnell in die Verlegenheit kommen, die Ernte eines seiner Felder vorzeitig zum Verkauf bringen zu müssen, um Platz für den Anbau einer neuen Sorte zu machen.

Immerhin bleibt einem noch die Chance, sich durch geschickte Tauschgeschäfte mit anderen Luft zu verschaffen und dabei die eigene Auslage sogar noch zu verbessern. Diese Tauschgeschäfte erlauben es zugleich, unpassende Handkarten außerhalb der Reihe loszuwerden.

Zur Not dürfen Karten sogar verschenkt werden. Leider schweigt die Regel, was mit einem solchen Geschenk zu geschehen hat. Es bleibt deshalb der Runde überlassen, zu Beginn zu vereinbaren, ob es sofort zur Auslage kommen darf oder erst hinter die letzte Handkarte des Empfängers gesteckt werden muß.

Eine Partie dauert etwa 45 - 60 Minuten. Auch insoweit unterscheidet sich Bohnanza von üblichen Kartenspielen, die auf eine Vielzahl deutlich kürzerer Partien angelegt sind. Bei einem Preis von ca. 10 DM erhalten die 3 - 5 Teilnehmer eine Menge Spiel fürs Geld, zumal der Wiederspielwert beträchtlich ist.

(L.U. Dikus)


Kartenspiele haben derzeit Hochkonjunktur. Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch, weil Titel wie beispielsweise das neue "Bohnanza" ungeheuer viel Spielspass bieten.
"Bohnanza" - Erinnerungen an eine alte Fernseh-Serie mit ihren Pferden und Cowboys werden wach. Doch halt, da hat sich doch ein "h" im berühmten Namen versteckt, ein Wortspiel signalisiert, dass es hier um Bohnen geht, um echte, nicht um blaue, die in "Bonanza" eine Rolle spielen. Das heisst, blaue Bohnen kommen in diesem Spiel als Sorte auch vor neben Feuer-, Sau-, Brech- Soja- Augen-, Roten und Gartenbohnen. Um sie dreht sich das Kartenspiel "Bohnanza" aus dem Amigo-Verlag, der im Bereich dieser Gattung immer wieder mit überraschenden Neuheiten aufwartet.
Spielerinnen und Spieler schlüpfen bei "Bohnanza" in die Rolle von Gärtnerinnen und Gärtnern, die auf ihren Feldern Bohnen anbauen und dann möglichst gewinnbringend zu verkaufen versuchen. Nur - weil alle das gleiche Ziel verfolgen und einander dauernd ins Gehege kommen, spielt sich dieser Handel nicht problemlos ab.

Rare Bohnen bringen mehr
Die auf den insgesamt 104 Karten abgebildeten acht Bohnensorten sind nicht gleichmässig verteilt. Von den blauen Bohnen sind 20 im Spiel, während es von den Gartenbohnen nur deren sechs gibt. Entsprechend höhere Profite werfen die raren Gartenbohnen ab: Wer drei davon verkauft, erhält drei Bohnentaler. Bei den blauen Bohnen benötigt man jedoch acht Stück, um das gleiche Einkommen zu erzielen. Der Wert jeder einzelnen Karte wird mit einem sogenannten "Bohnometer" angegeben, so dass man immer über finanzielle Entwicklung seiner Bohnenpflanung auf dem laufenden ist.
Eine der Eigentümlichkeiten von "Bohnanza" besteht darin, dass man die Reihenfolge der Karten auf der während des Spiels nie verändern darf. Es ist also nicht erlaubt, wie in anderen Kartenspielen die Karten zu sortieren. Das führt immer wieder zu schwierigen Zwangsituationen, die dem Spiel eine besondere Faszination verleihen - wunderbar ausgeheckte Strategien werden nicht selten über den Haufen geworfen, was "Bohnanza" zu einem Spiel macht, in dem auch Spielerinnen und Spieler eine Chance haben, die nicht gerne Abläufe bis zu zwanzig Zügen im voraus planen, sondern sich auch gerne dem Faktor Glück oder Zufall anvertrauen.

Dumpingpreise vermeiden
Eine gewisse Planung braucht es trotzdem: Da man gleichzeitig nur auf zwei Feldern Bohnen anpflanzen kann und pro Feld nur eine einzige Sorte erlaubt ist (beispielsweise Augenbohnen), muss man sich anhand seiner Karten schon gut überlegen, wo sich die besten Profite erzielen, das heisst die längsten Reihen der gleichen Karten ablegen lassen. Sonst könnte man relativ schnell gezwungen sein, die ausliegenden Karten zu Dumpingpreisen verkaufen zu müssen, damit wieder ein Feld für den Anbau einer neuen Sorte frei wird. Und mit solchen Preisen, man weiss es ja, lassen sich kein grosses Geld machen.
Steuern lässt sich der Spielablauf bis zu einem gewissen Grade auch durch geschicktes Handeln und Verschenken von Karten. Beim Handeln ist es nämlich möglich, die Reihenfolge der Karten, die man auf der Hand hat, ein wenig zu verändern und dabei die gewinnträchtigen Bohnen in eine günstige Ausgangslage zu bringen. Nur: Meistens lässt sich ein Handel gerade dann nicht abschliessen, wenn es um die Karte geht, mit der man ein eigenes Bohnenfeld "vergolden" könnte.
Wer Kartenspiele mag, sollte bei "Bohnanza" nicht lange zögern. Es bietet alles, was diese Gattung so attraktiv macht - ein wenig taktische Herausforderung, Witz, Überraschung, Glück, rascher, unkomplizierter Spielablauf, und das alles zu einem selten günstigen Preis.

(Synes Ernst)