Caesar & Cleopatra

"Caesar & Cleopatra" ist ein begeisterndes Kartenspiel. Caesar möchte Ägypten vollständig unter römische Verwaltung stellen. Er käme ohne weiteres zum Ziel, wäre da nicht noch seine Geliebte Cleopatra, die für die Unabhängigkeit ihrer Heimat kämpft. Beide versuchen die einflussreichen Patrizier Roms zu beeinflussen: Das ist das Thema im neuen begeisternden Kartenspiel "Caesar & Cleopatra". Die "Magic"-Sammelkarten, seit mehr als drei Jahren ein Renner in der Spielszene, haben einen unerwarteten Nebeneffekt: Plötzlich haben Verlage den Mut, Kartenspiele von hoher Qualität für zwei Personen auf den Markt zu bringen. Dieses Engagement wird vom Publikum auch belohnt, wie der wirtschaftliche Erfolg des "Siedler-Kartenspiels" beweist, das Ende 1996 bei Kosmos erschienen ist. Der gleiche Verlag hat nun nachgedoppelt und an den Internationalen Spieltagen in Essen vom vergangenen Herbst das Zweier-Kartenspiel "Caesar & Cleopatra" von Wolfgang Lüdtke veröffentlicht.
Politisches Thema
Bereits der Titel kündigt an, dass es in diesem Spiel um Macht und Einfluss geht. Sowohl der römische Feldherr Caesar als auch seine ägyptische Geliebte Cleopatra versuchen, die Patrizier Roms auf ihre Seite zu bringen. Schliesslich sind sie es, die über die Frage entscheiden, ob Ägypten vollständig unter römische Verwaltung gestellt werden soll, wie das Caesars Absicht ist, oder ob es besser wäre, das Land am Nil unabhängig zu lassen, wie das Cleopatra will.

In "Caesar & Cleopatra" wird dieser Machtkampf mit Hilfe von Karten ausgetragen. Dabei schlüpfen Spielerin oder Spieler in die Rolle Caesars oder Cleopatras und erhalten zu Beginn das entsprechende Kartenset. Diese enthalten die gleichen Kartenwerte, sind aber je nach Figur gestaltet. Dem Grafiker Franz Vohwinkel sind hier ganz witzige Illustrationen gelungen. Es macht Spass, vor dem Spielen die Karten einmal in aller Ruhe anzuschauen und Vergleiche mit heute noch lebenden Zeitgenossen zu ziehen. Mit einigem Grinsen stellt man dabei fest, dass der Patrizier "Livius Redeflus" stark an den schweizerischen Aussenminister Flavio Cotti erinnert ...

Die 21 Patrizier, um deren Einfluss geworben wird, werden zu Beginn des Spiels in fünf Gruppen (Senatoren, Praetoren, Quaestoren, Zensoren und Aedilen) auf den Tisch gelegt. Wer an der Reihe ist, legt an eine oder zwei dieser Gruppen Einflusskarten ab. Je 37 stehen jedem Spieler zur Verfügung, wobei man nie mehr als fünf in der Hand haben darf. Die Einflusskarten zeigen je nach Wert unterschiedliche Figuren, so den Gigolo Romano mit vier, den Zenturio mit zwei, den Präfekten mit fünf, die ägyptische Schriftgelehrte mit drei, die Sterndeuterin mit zwei Punkten.

Vor allem zu Beginn des Spiels werden die Karten in der Regel verdeckt abgelegt, so dass die Gegnerin oder der Gegner nicht weiss, wie hoch die Einflussnahme gerade ist. Das wird jedoch sofort klar, wenn nach die Spieler zum Abschluss ihres Zuges die Vertrauensfrage stellen: Wenn es beispielsweise heisst "Befrage den obersten Praetoren!" müssen beide, Caesar und Cleopatra, ihre an der Praetoren-Gruppe abgelegten Einflusskarten aufdecken. Wer mehr Punkte aufweist und deshalb den stärkeren Einfluss ausübt, darf den obersten Praetoren zu sich nehmen _ ein erster Schritt zur Macht ist getan, weitere werden sicher folgen. Ziel ist es logischerweise, bei den einzelnen Gruppen möglichst grosse Mehrheiten zu gewinnen und die zu Beginn gestellte geheime Sonderaufgabe zu erfüllen.

Spione im Einsatz
Was wäre ein Machtkampf, kämen nicht auch List, Taktik und Hinterhältigkeiten zum Zuge. Zur vornehmeren Kategorie der Taktik zählt der richtige (auch zeitgerechte) Einsatz der Einflusskarten, von denen im Verlauf des Spiels immer wieder einige aufgedeckt werden müssen, was Rückschlüsse über die Taktik des Gegenspielers erlaubt. Eher listig-taktisch ist das Ausspielen der Philosophen-Karte, die dem schwächeren Spieler Vorteile verschafft. Ganz bös für Durcheinander sorgen die Aktionskarten, mit denen man unter anderem gegnerische Einflusskarten entfernen oder dessen Handkarten durchsuchen kann. Spione sind schliesslich keine Erfindung der Neuzeit!

"Caesar & Cleopatra" ist ein in jeder Hinsicht empfehlenswertes Kartenspiel für zwei Personen. Es ist relativ leicht zu erlernen, logisch im Ablauf, spannend, lässt den Spielern genügend Raum für taktische Möglichkeiten, mit denen sie das Geschehen beeinflussen können, bietet aber immer wieder Überraschungen, so dass jede Partie immer wieder neu verläuft. Wer ein halbstündiges Spielvergnügen sucht, sollte bei diesem Spiel nicht zögern.

(Synes Ernst)


Sie waren wohl eines der berühmtesten und glaubt man den Erzählungen, auch eines der streitsüchtigsten Liebespaare der Geschichte. "Cäsar & Cleopatra" gibt uns nun einen kleinen Einblick in ihr tägliches Leben und es ging, wie könnte es anders sein, um nichts anderes als Macht und Einfluß.

21 Patrizier aus 5 verschiedenen Gesellschaftsschichten sind das Objekt der Begierde und wer die Mehrheit davon kontrolliert, hat das Sagen im Hause C&C. Bestochen werden diese Herren mit Einflußkarten, höchstens zwei pro Runde, entweder eine Karte verdeckt gespielt, oder zwei offen. Das Ganze endet dann mit der Befragung einer Gruppe – es sei denn man feiert wieder einmal eine Orgie – und jener Spieler, der über mehr Einflußpunkte in der Gruppe verfügt, darf sich eine Stimme gutschreiben. Sonderpunkte gibt es übrigens, falls man die Mehrheit in einer Gruppe kontrolliert.

Die rechte Würze erhält "C&C" allerdings durch Aktionskarten, die es einem erlauben, den Partner so richtig schön zu piesacken. Leider jedoch nur einmal pro Runde.

Seit wir nach zahlreichen Partien damit begonnen haben, Einflußkarten kaum mehr verdeckt zu spielen, wodurch der Überraschungseffekt beim Aufdecken der selben verloren gegangen ist, hat "C&C" ein wenig von seiner Klasse eingebüßt, doch ist es nach wie vor ein sehr empfehlenswertes und preiswertes Vergnügen für 2, das schnell mal in 30 Minuten ohne allzu große Denkorgien konsumiert ist.

(Helmut Wresnik)


Als reiner Zweikampf mit Karten und dementsprechend mit ca. 23 DM auch etatschonendr kommt Caesar & Cleopatra von Wolfgang Lüttge. Der eine wie die andere ist bemüht, die einflußreichen Patrizier Roms für seine bzw. ihre Sache zu gewinnen.

Dazu werden Einflußkarten verdeckt oder offen ausgelegt, und erlaubt es das Ausspielen vorsortierter Aktionskarten, die Pläne des Gegners zu durchkreuzen. So darf man etwa mit Hilfe einer Spionin dessen Handkarten durchsuchen und die wertvollste davon aus dem Spiel nehmen.

Jeder Zug endet mit einer Vertrauensfrage, die Auskunft darüber geben soll, wer gerade auf welchen Patrizier Einfluß gewonnen hat. Doch fällt die Antwort recht häufig aus, weil die Herrschaften gerade mal wieder eine Orgie feiern. Immerhin läßt sich eine Antwort erzwingen, sobald an einer Patriziergruppe insgesamt acht Einflußkarten liegen. Für Überraschungen sorgen verdeckt gelegte Karten freilich auch dann.

Auch in diesem Spiel gehen vom Abrechnungsmechanismus starke Impulse auf das Vorgehen der Spieler aus. So bringt zwar jeder gewonnene Patrizier gleichermaßen einen Siegpunkt. Doch werden die Mehrheit in einer Gruppe und deren vollständiger Gewinn mit Zusatzpunkten belohnt, und erhält einen weiteren Bonus, wer eine geheime Zusatzaufgabe erfüllt hat.

Caesar & Cleopatra ist mit einem hohen Wiederspielwert gesegnet und kann sogar getrost als großer Wurf bezeichnet werden

(L. U. Dikus)


Der Verlag Kosmos hat mit dem SIEDLER KARTENSPIEL eine Marktlücke entdeckt. Genau vor einem Jahr ist das Spiel mit einer Startauflage von 5000 Exemplaren auf den Markt gekommen, inzwischen sind über 300.000 Spiele verkauft. Sicherlich schwimmt dieses Spiel auf der Erfolgswelle der SIEDLER VON CATAN mit, aber Marktanalysen des Verlages haben deutlich gemacht, daß das Spiel vor allem von jungen und älteren Paaren mit Begeisterung angenommen wird. In dieses Segment stößt der Verlag nun weiter vor und bietet mit einer Neuerscheinung, die am 23. Oktober dem spielenden Publikum auf der Messe "Spiel 97 vorgestellt wird (wurde), sogar direkte Identifikationsmöglichkeiten. Was bietet sich besser an, als auf die klassische Konfrontationssituation von CÄSAR & CLEOPATRA zurückzugreifen und diese spielerisch zu verarbeiten. Dem Kosmos-Redakteur und Spieleautor Wolfgang Lüdtke ist dies auf vorzügliche Weise gelungen. Das Spiel ist ein würdiger Nachfolger des SIEDLER-KARTENSPIELS und man kann ihm einen ähnlichen Erfolg voraussagen.

Zum Spiel: Die Unabhängigkeit Ägyptens bedroht das sich immer weiter ausbreitende römische Imperium. Cäsar und Cleopatra versuchen, durch den Einsatz erlaubter und unerlaubter Mittel die politischen Führungsgremien Roms auf ihre Seite zu ziehen. Um das Wohlwollen von 21 Patriziern ringen die beiden Kontrahenten, je fünf Senatoren, Prätoren und Quästoren und je drei Zensoren und Ädilen. Diese Personen lassen sich durch Einflußkarten – Zahlenkarten im Wert von eins bis fünf – gewinnen. Verdeckt oder offen können diese Zahlenkarten den römischen Beamtengruppen zugeordnet werden. Nach jedem Spielzug wird eine Vertrauensfrage gestellt, die zur Auswertung einer Beamtengruppe führen kann oder auf die lustvollen Vergnügen der Römer am Ausgang ihrer republikanischen Phase hinweist. Ziemlich häufig ergötzt sich die römische Oberschicht lieber an Orgien, als politische Arbeit zu leisten. Findet eine Wertung statt, erhält der Spieler die oberste Beamtenkarte, der dort die höchsten Zahlenkarten abgelegt hat. Zusätzlicher Reiz kommt durch 13 Aktionskarten in das Spiel, die beiden Spielern zur Verfügung stehen. Diese können zu jeder Zeit eingesetzt werden und den Gegner ganz schön ins Schwitzen bringen. Reizvoll ist auch die Sonderkarte "Philosoph", wenn dieser gelegt wird, gewinnt der Spieler mit der niedrigeren Punktezahl eine Wertung. Bei der Abrechnung am Ende zählt jede gewonnene Karte einen Punkt, erreicht man die Mehrheit in einer Beamtengruppe, gibt es einen Zusatzpunkt. Zwei Punkte erhalten die Spieler, wenn es ihnen gelingt, was allerdings sehr selten vorkommt, alle Personen einer Gruppe auf ihre Seite zu ziehen. Zusätzlich werden noch weitere zwei Punkte für die Erfüllung eines Sonderauftrages vergeben, den man am Anfang des Spieles erhält. Auch dieser Auftrag bezieht sich auf das Ziel, eine Kartenmehrheit für eine bestimmte Beamtengruppe zu erreichen.

Die Raffinessen des Spiels, vor allem seine Bluffmöglichkeiten und der geschickte Einsatz der Aktionskarten, entfalten sich erst beim zweiten oder dritten Spielen. Dann mag man aber nicht mehr die Finger davon lassen. Bei einer halben Stunde Spielzeit sind viele Revancherunden möglich. Ein preiswerter und reizvoller Geschlechterkampf am Spieltisch – Rollenwechsel sind natürlich möglich!

(Wieland Herold)

Cäsar & Cleopatra, Kosmos, Wolfgang Lüdtke, für 2 Spieler ab 10 Jahren