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Carcassonne
Unsere Spielfiguren, die wirklich aussehen wie kleine Männchen mit zwei Armen und zwei Beinen, sind richtige Verwandlungskünstler: Stellen wir sie auf eine Straße, dann sind sie Wegelagerer. In einem Stadtviertel, mutieren sie zu Rittern. Auf einer Wiese werden sie Bauern und in einem Kloster gar Mönche. Von was die Rede ist? Von "Carcassonne", einem neuen Spiel aus der Spieleschmiede Hans im Glück.
Carcassonne ist eine südfranzösische Stadt, so klärt uns die Regel auf, die berühmt für ihre Festungsbauwerke aus der Zeit der Römer und Ritter ist. In der Kiste finden wir dann 72 quadratische Landschaftskärtchen aus stabiler Pappe. Mit diesen Kärtchen legen wir im Verlauf der nächsten 45 Minuten eine Landschaft aus, schön der Reihe nach, ein Kärtchen neben das andere. Auf ihnen sehen wir Stücke von Straßen und Städten, Wiesen und mitunter ein Kloster. Jedesmal, wenn wir ein Kärtchen gelegt haben, dürfen wir darauf eines unserer Männchen stellen auf einen Weg, ins Stadtviertel, auf die Wiese oder aufs Kloster.
Punkte gibt es im Verlauf des Spiels für in sich abgeschlossene, also begrenzte Wege, für Städte, die rundherum mit Mauern umgeben sind, für Klöster, an denen acht Kärtchen angrenzen. Dort stehende Figuren erhalten wir nach einer Wertung sofort zurück, was gut ist, denn ansonsten würde sich unser Vorrat schnell erschöpfen. Am Ende des Spiels, werden auch alle nicht fertig gestellten Wege, Städte und Klöster gewertet, vor allem aber erstmals die Bauern. Für jede Stadt, die ein Landwirt versorgt, weil er mit seiner Wiese angrenzt, gibt es vier Punkte. Mitunter teilen wir uns die landwirtschaftliche Ausbeute mit anderen oder gehen leer aus, falls ein Mitspieler mehr Bauern an einer Stadt stehen hat.
Was fasziniert an diesem "Carcassonne" derart, dass selbst jene, die sich Stunden lang in ein Strategiespiel verbeißen können, an diesem Quickie ihre Freude haben. Vielleicht ist es der Wunsch, zwischendurch mal etwas Einfacheres und dennoch Anspruchsvolles zu spielen. Auch Familien mit Kindern werden von "Carcassonne" begeistert sein. Ein wenig Unterstützung und es können sich auch Achtjährige in der südfranzösischen Landschaft tummeln, obwohl auf der Schachtel "ab zehn Jahre" steht.
Ob Viel- oder Wenigspieler, für alle ist eines gleich: Sie ziehen Plättchen und versuchen, sie möglichst Gewinn bringend in die Landschaft einzubauen. Mal ist uns das Glück hold und wir holen das genau passende Kärtchen, das uns zu vielen Punkte verhilft. Mal ist es zum in die Tischplatte beißen, weil wir schon wieder ein Stück Straße und nicht das sehnsüchtig erwartete Stück Stadt gezogen haben. Und was die Schlusswertung mit den Bauern betrifft, ist ein wenig vorausschauende Planung auch von Nutzen. Im Herbst 2000 war das auf der "Spiel" in Essen präsentierte "Carcassonne" von Klaus-Jürgen Wrede der Tipp schlechthin. Schön, dass es neben allen Tüftel- und Sinnierspielen, die uns einen ganzen Abend in Beschlag nehmen, auch solche Spiele gibt. Leichtere Kost, durchaus positiv gemeint, weil sie zwischendurch sehr bekömmlich ist.
(Edwin Ruschitzka, Südwest Presse) "Carcassonne" von Klaus-Jürgen Wrede, Hans im Glück, für 2 bis 5 Spieler ab zehn Jahren.
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