Der Berg ruft

Mount Phototapetetl sieht etwa so aus, wie der Steinbeiß-Berg in der 'unendlichen Geschichte'. Ein geröllwarziger Grantler, der seine Ruhe haben möchte. Ganz oben aber haust der Almhallodri, Heidis Großvater. Wahrscheinlich ist das der weißbärtige Kerl, der die lila eingewickelte Schokolade so alpig findet. In der Manndeckung des breitschultrigen Geißenpeters macht sich nun besagte Heidi daran, den Berg zu erklimmen. Bleibt sie hinter Peter, so ist alles in Ordnung. Wenn sie ihren Guide aber überholt, dann spuckt der Berg Geröll und Muren und zwingt die beiden zum raschen Rückzug ins Tal, hinunter zu den lila Kühen und dem Sahneteddy. Da es Heidi und Peter bekanntlich in vier Farben gibt, treten zwei bis vier Mannschaften an, um dem Almeinödi möglichst rasch seinen BigMäc und sein Cola ans Gipfelkreuz zu bringen.
Das Spiel hat eine originelle Mechanik, die auf den ersten Blick etwas kompliziert anmutet, die sich aber nach einer Weile plausibel erschließt. Rechnet man den Anlauf, den man im Tal nimmt hinzu, so hat der Berg insgesamt 17 Stufen. Ein Spieler bekommt eine Sichtblende und 15 Fähnchen. Von denen stellt er beliebig viele auf und läßt den nächsten in der Runde eine Zahl ansagen. Diese kann er sofort akzeptieren oder ansagen, ob die Zahl der Fähnchen höher oder niedriger ist. Drei Rateversuche sind höchstens möglich. Natürlich kommt wird die Zahl der Fähnchen dabei immer mehr angenähert und womöglich sogar getroffen. Die Differenz zwischen der Zahl der Fahnen und der geratenen Zahl bestimmt, wie weit der Peter des Spielers ziehen darf, der die Fähnchen aufgebaut hat. Natürlich ist die Versuchung groß, gleich den ersten Tip anzunehmen, denn da ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, mit einer großen Differenz ein paar ordentliche Schritte zu tun. Das hat aber einen Haken. Heidi darf für jeden Rateversuch einen Schritt nachrücken, kommt also erst bei drei Versuchen ordentlich vorwärts. Jeder Spieler versucht, Heidi möglichst nahe hinter ihrem Peter nachzockeln zu lassen. Nur einholen darf sie ihn nie, sonst war alles für die Katz'. Wer den Gipfel erreicht beendet das Spiel, ist aber deshalb noch lange nicht der Gewinner. Sieger ist nämlich, wer den geringsten Steinschlag auslöst. Auf jeder Stufe des Bergs liegen Steinbrocken. Die Zahl der Steine auf Peters Ebene wird mit dem Abstand zur Heidi multipliziert. Da kommt gut weg, wer seine Figuren risikobereit eng beieinander gehalten hatte.

Die Spielregel ist ebenso liebevoll, wie dilettantisch geschrieben. 'Der Berg ruft' ist ein totales Außenseiter-Spiel in erstklassiger Ausstattung. Im Handel sucht man es vergeblich. Es ist - bis jetzt - auch der einzige Titel im Programm dieses Ein-Mann-Verlags. Man bekommt es also nur per Bestellung. Ein originelles Spiel ist es jedenfalls.

(Tom Werneck)

"Der Berg ruft" von Thomas Säckl, Gestaltung: DAS TEAM, Amberg, Säckl-Spiele, Brixener Str. 5, 92224 Amberg, Tel. und Fax: 09621 / 82447, 2 bis 4 Spieler