Die Händler

Historisches, hier mittelalterliches Ambiente scheint so kurz vor der Jahrtausendwende zum thematischen Spieletrend des Jahres zu werden. "Die Händler", neuestes Spiel des "El Gran-de"-Autorenteams Wolfgang Kramer und Richard Ulrich können auf ihrem Weg von Köln nach Brügge durchaus anderen "Pfeffersäcken" begegnen.

Der Einstieg in das scheinbar komplexe Spiel wird denkbar leicht gemacht. Die Regelaufar-beitung gehört mit zu den besten der letzten Jahre. Mit der Seite "Spielvorbereitung" ist man schon mitten im Spiel drin: Die Phasen einer Spielrunde sind kompakt auf einer Tafel mit dem Spielablauf zusammengefasst, so dass nach nicht allzu langer Erklärung die großen Holzklötze auf dem Spielplan in Bewegung gesetzt werden können. Das Auffallendste an dem Spiel sind nämlich drei große Holzquader, im Frontbereich leicht abgestuft, an Omnibusse aus den 60ern erinnernd. Sind sie mit Aufklebern versehen, wird ihre Funktion deutlicher: Wuch-tige Holzkarren mit vier Ladeflächen, die sich durch die Hohlwege der damaligen Zeit quälen mussten.

Bevor es soweit ist, sollte jeder Spieler erst einmal sein Geschäft eröffnen und zwei von acht Ausstattungskarten erwerben, die ihm das spätere Händlerleben erleichtern. Die Karten haben Einfluss auf die Warenpreise, bringen die Transportkarren schneller voran und einen hilfrei-chen Kurier ins Spiel. In sechs Handelszentren werden die Spieler aktiv. Drei von sechs Wa-renarten bieten die einzelnen Städte an, so Genua Eisen, Salz und Seide. Die Entfernungen von einer Stadt zur Nachbarstadt betragen in der Regel sieben bis acht Spielplanfelder.

Das viele Geld, das in abwechslungsreichen Handelsphasen erwirtschaftet wird, soll Wirkung nach außen tragen. Damit sind wir beim eigentlichen Spielziel: Dem sozialen Aufstieg in der mittelalterlichen Ständewelt. Ein höherer Status hat gestiegene Repräsentationskosten zur Folge, die pro Runde bezahlt werden müssen. Der Großhändler zahlt 400 Gulden, die jeder wahrscheinlich noch aus seiner Portokasse herauszaubern kann, ob das allerdings für die 800 des Amtmannes oder 1600 des Ratsherren gilt, ist stets die spannende Frage. Genügend Rück-lagen müssen eingeplant werden, denn sonst drohen Schuldenturm und sozialer Abstieg. Das Spiel endet je nach Spielerzahl nach sechs bis acht Wagenankünften. Wer dann am höchsten auf der Ständeleiter geklettert ist, ist der erfolgreichste Händler.

Wie bei den meisten Spielen, an denen Wolfgang Kramer beteiligt ist, greifen die Spielele-mente vorzüglich ineinander. Einfach Grundprinzipien ergeben ein rundum gelungenes Wirt-schaftsspiel, das seinen Reiz auch durch interaktive Spielphasen gewinnt. Erstaunlich ist, wieviel taktische Möglichkeiten trotz weniger Spielfelder sich bei der Bewegung der Wagen ergeben. Das Spiel kommt sehr gut an, der Wiederspielwert ist hoch, erneut ein empfehlens-wertes Kramer-Ulrich-Spiel!

(Wieland Herold, klein & groß)

"Die Händler" von Wolfgang Kramer und Richard Ulrich, Queen Games, für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren.