Die Kette von Saba

Zuweilen wird in unseren Spielen die Geschichte in einer Weise behandelt, daß es einem ganz schwindelig wird. Da will der Spieleautor Martion Ebel uns glauben machen, daß vor 5.000 Jahren der weise König Salomon "Kunde von der unsagbar schönen Herrscherin im fernen Lande Saba" erhielt. Nach langen Bitten soll Frau Bilkis ihn endlich in seinem Reich besucht haben. Darüber war er ihr angeblich so dankbar, daß er ihr im Überschwang der Gefühle eine prächtige Kette, reich besetzt mit Edelsteinen, schenkte.
In Wirklichkeit lebte Salomo, der jüngste Sohn Davids und Bethsebas, wesentlich später: er regierte nämlich von 1035 bis 975 vor Christus über Israel. Und das 3.Buch von den Königen (10,1-10) berichtet, daß nicht er die Königin, sondern im Gegenteil die Königin ihn mit Gold, Edelsteinen und Spezereien beschenkte. Das ist auch viel wahrscheinlicher, schließlich waren die Sabäer berühmt für ihren Handel mit diesen Dingen, sie hatten mit Niederlassungen in Afrika und auf der ganzen arabischen Halbinsel.

Aber folgen wir der neuen Legende vom Kollier der Königin von Saba, das der schönen Bilkis mit ins Grab gelegt wurde. Böse Grabräuber fanden die Kette, zerlegten sie in ihre Einzelteile und verschärbelten diese in alle Welt, wo sie Jahrtausende später wieder auftauchten und viel Furore machten.

Auch der reiche Scheich Amir Haruk Ibn Thalir Ben Ghat hört davon und beschließt, die Einzelteile wieder aufzukaufen und die Kette von Saba seiner schönen Prinzessin Fatima zu schenken, die er über alles liebt. Aufgabe der Spieler ist es, nach den wertvollsten Steinen zu jagen und die Kette mit möglichst großem Gewinn wieder zusammenzusetzen.

44 Karten zeigen jeweils ein Schmuckteil, besetzt mit 1 bis 4 Edelsteinen. Die Karten mit dem Löwenkopf sind Joker, die überall eingefügt werden können. Die vier obersten Karten des gut gemischten Stapels werden offen auf dem Spielplan ausgelegt. Jeder Spieler erhält ein Grundkapital von 20.000 Mark und je nach Spielerzahl eine bestimmte Anzahl Karten.

In der 1.Phase bietet reihum jeder Spieler eine seiner Handkarten zur Versteigerung an und nimmt sich anschließend eine neue Karte vom Stapel. Bei diesem Er- und Versteigern einzelner Kettenglieder versucht jeder die besten Geschäfte zu tätigen. Ausgangspunkt aller Überlegungen sind dabei die 4 Grundkarten, die bereits ausliegen und die Karten, die man auf der Hand hält.

Sobald der Kartenstapel aufgebraucht ist, beginnt die 2. Phase des Spiels mit dem Auslegen, pardon: natürlich mit der Rekonstruktion der Kette von Saba. Die ist nämlich streng geometrisch in Vierer-, Dreier- und Zweierreihen aufgebaut, am Rande die Einzelstücke. Pro Reihe läßt die Regel nur eine Art zu, und nach unten muß die Zahl der Steine stets wachsen. Je später ein Glied in die Kette eingepaßt wird, desto höher fällt die Prämie aus, denn die Kärtchen, die bereits ausliegen, werden in jeder Richtung mitgezählt.

Ob die Joker zusätzlich Pfeffer in den Balanceakt zwischen Risiko und möglichem Gewinn bringt, will ich einmal dahingestellt lassen. "Die Kette von Saba" ist dennoch ein spannendes Familienspiel. Ob allerdings Achtjährige da schon mithalten können, wie auf dem Karton zu lesen, bezweifle ich. Mit 10 Jahren liegt die Alterangabe auf der Spielregel schon wesentlich besser.

(Bernward Thole)

DIE KETTE VON SABA von Martin Ebel, Queen Games, Versteigerungsspiel für 3-7 Spieler ab 10 Jahren