Elfengold

Es war einmal das Spiel "Elfenroads", das in der Szene für sehr viel Aufregung sorgte, nicht nur, weil es nur 2.000 Stück davon gab, viel zu wenig für ein gutes Spiel, sondern weil es eben sehr gut und damit auch sehr gefragt war. Völlig klar, dass es schon bald nicht mehr zu haben war. Bis im letzten Jahr "Elfenland" das Licht der Spielwelt erblickte, ein Hoffnungsschimmer für alle Elfenroads-losen.
Die Enttäuschung war dann doch recht groß, als es sich zeigte, dass "Elfenland" nur eine abgespeckte Version des vielgesuchten "Elfenroads" war, familientauglicher, ohne Zweifel, aber eben nicht das so lange ersehnte Spiel.

Als "Elfenland" dann sogar zum "Spiel des Jahres" gewählt wurde, kam wieder Hoffnung auf, denn der Verlag kündigte an, eine Erweiterung herauszubringen, die "Elfenland" in "Elfenroads" verwandeln würde. – Und man hielt Wort!

"Elfengold" heisst also das etwas kostspielige Zaubermittel, das die Verwandlung bewirkt. Nicht ganz vollständig, denn der Spielplan von "Elfenland" wurde etwas modifiziert, doch das interessiert nur Puristen.

Für alle anderen aber wird nun "Elfenland" viel taktischer, man kann mehr planen, ja es wurden sogar einige Elemente hinzugefügt, die man bei "Elfenroads" noch nicht kannte. Dass sich die Spieldauer natürlich verlängert, ist jedem klar, aber das nimmt man gerne in Kauf, weil das Spiel auch in der neuen Form zu gefallen weiß.

(Helmut Wresnik. Neue Kärntner Tageszeitung vom 23. April 1999)


Erg'Erén, Jxara, Usselen, Throtmanni und Elvenhold waren bis vor einem Jahr für Spielerinnen und Spieler spanische Dörfer. Mittlerweile sind viele mit der Geographie des von Elfen bevölkerten Landes vertraut. Sie kennen die einundzwanzig Ortschaften mit den fremdklingenden Namen und wissen, wie man sich mit Hilfe von Riesenschweinen, Elfenrädern, Einhörnern und magischen Wolken am schnellsten durch die sagenhafte Landschaft bewegt. Das Spiel "Elfenland" hat im deutschsprachigen Europa über 300 000 begeisterte Anhänger gefunden. Sie alle finden immer wieder Spass daran, die knifflige Logistikaufgabe zu lösen, die sich in "Elfenland" stellt. Herrlich, wenn es gelingt, eine möglichst lange Route zu planen und dabei den Mitspielenden noch ein ärgerliches Hindernis in den Weg zu legen, der sie zu zeitfressenden Umwegen zwingt.
Spielefreaks konnten sich mit "Elfenland", das letztes Jahr mit dem begehrten Titel "Spiel des Jahres" ausgezeichnet worden war, nie so richtig anfreunden. Sie fanden den Spielverlauf mässig attraktiv, weil er ihnen zu wenig taktische Möglichkeiten bot. Im Vergleich zu "Elfenroads", dem amerikanische Original des Autors Alan R. Moon, sei die deutschsprachige Übersetzung bloss Nasenwasser, sagten die eingefleischten Spieler. Auch wenn diese Kritik bis zu einem gewissen Punkt zutrifft, tut man "Elfenland" Unrecht, es als simples, glücksabhängiges Familienspiel abzutun. Freaks vergessen oft, dass nicht geübte Spieler bereits mit wenig komplexeren Titeln Mühe haben und sie dann rasch frustriert weglegen. Deshalb haben auch einfachere Spiele, deren strategisch-taktische Verläufe "Familienspieler" nicht überfordern, einen Sinn.

Die Wünsche der Freaks werden jedoch vom Verlag Amigo erfüllt: Eben ist "Elfengold" als Erweiterung zu "Elfenland" auf den Markt gekommen. Damit werden die Elfen nun erwachsen. Die Verpackung enthält das Material, das man benötigt, um die Elfen in der Ur-Version über die wunderbar gestaltete Landschaft mit Wäldern, Bergen, Wüsten, Wiesen und Flüssen eilen zu lassen. Der wesentliche Unterschied zwischen "Elfenland" und "Elfengold" besteht darin, dass man die Transportmittel nicht mehr nach dem Zufallsprinzip erhält, sondern sie sich nach taktischen Überlegungen ersteigert. Zudem erhalten die Elfen beim Besuch der einzelnen Städte Gold, womit die Teilnehmenden gezwungen werden, ihre Routen vor allem finanziellen Aspekten zu planen. Das Auktions-Element verleiht dem Elfen-Spiel schliesslich auch mehr an Interaktion und gegenseitiger Kommunikation, was ja mit ein Zweck des Miteinander-Spielens ist.

"Elfengold" ist ein wenig komplexer als "Elfenland". Trotzdem darf man es nicht als schwierig bezeichnen, da die Regeln einen problemlosen Einstieg in die phantastische Welt der Elfen ermöglichen. So taucht man denn begeistert ab in die andere Welt des Spiels, steht mit seinem Elfenstiefel in der Hauptstadt Elvenhold und wartet verzweifelt auf einen Einhorn, das einen möglichst schnell nach Dag'Amura bringt. Das ist doch schöner als vor dem Hauptbahnhof in Zürich ins Vierertram steigen und prosaisch Richtung Werhölzli zu fahren.

(Synes Ernst, Weltwoche, 4. März)