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Europa 45 - 2000
Am Sonntag sind mal wieder Wahlen. Zum Europaparlament. Der Prozeß des Zusammenwachsens der Länder unseres Kontinents schreitet seit den 50er Jahren kontinuierlich fort und läßt sich mit dem Brettspiel "Europa" jetzt auch spielerisch auf recht ansprechende Weise nachempfinden.
3 - 6 Spieler treten an, um die Europäische Union auf immer mehr Länder auszudehnen, darin mit ihren Parteien die Wahlen zu gewinnen und sich notfalls auch an Friedensmissionen zu beteiligen. Zu Beginn schlummern die meisten Länder noch unter puzzle-artigen Abdeckteilen. Doch von Runde zu Runde kommen immer mehr dazu, bis zuletzt sogar Rußland an die Tür des europäischen Hauses klopft.
Mit ihren Wahlsteinen setzen die Spieler in den verschiedenen Ländern Schwerpunkte. Nur wenn eine vorgegebene Mindestzahl erreicht wird, tritt das betreffende Land sofort der EU bei. Haben dagegen die Europagegner noch die Oberhand, bleibt es bis zur nächsten Runde Beitrittskandidat. Unter den Spielern, die aufgrund einer Koalition die absolute Mehrheit besitzen, werden Politikpunkte verteilt, nach denen sich in den folgenden Runden die Anzahl ihrer Wahlsteine richtet.
In Runde 3 und 4 gilt es, die Kriegsrisiken zu meistern, die sich aufgrund politischer Instabilität in den Ländern des früheren Ostblocks einstellen. Ab jetzt dienen die Wahlsteine auch zur Konfliktbewältigung. Wer sich dabei am meisten hervortut und dafür eine Schwächung seiner Position bei den anstehenden Wahlen und Koalitionsverhandlungen in Kauf nimmt, wird mit Siegpunkten entschädigt, die es sonst nur für gewonnene Wahlen gibt. Reicht das Engagement aller dagegen nicht aus, kommt es zu Verlustpunkten.
Mit seinen relativ einfachen, aber geschickt aufeinander abgestimmten Mitteln gelingt es "Europa", die Entwicklung auf unserem Kontinent auf verblüffend realistische Weise nachzuzeichnen und sie sogar ein bißchen in eine hoffnungsvolle Zukunft zu verlängern. Faszinierend zu beobachten, wie sich die politische Landkarte von Runde zu Runde verändert und dabei zum Beispiel die Schweiz bis zuletzt außen vor bleibt. Und spannend zu erleben, wie Konflikte eskalieren und auf benachbarte Staaten überspringen, aber auch durch gemeinsame Anstrengungen wieder beigelegt werden können. Die Ereignisse in Ex-Jugoslawien verleihen dem Spiel allerdings leider auch eine traurige Aktualität.
Als offizielles Werbespiel der EU hätte "Europa" kaum besser ausfallen können. Nur der Preis läge bei einer entsprechend größeren Auflage dann sicherlich unter den jetzt zu berappenden 70 Mark. Daß der Verlag Eurogames heißt, hat übrigens nichts mit dem Spiel zu tun. Er ist vielmehr schon seit ein paar Jahren mit einer Reihe anspruchsvoller Titel am Markt und hat 1995 mit "Condottiere" sogar den Sprung auf die Auswahlliste zum Spiel des Jahres geschafft.
(Jochen Corts)
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