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Fette Kühe
Aus unerfindlichen Gründen wetteifern manche Landwirte darum, die fettesten Kühe zu haben. Wie die Fama zu berichten weiß haben sich ein paar holsteinische Bauern ob dieser Frage derart in die Wolle gekriegt, daß sie eine Wette abschlossen. Der sollte der absolute Oberbauer sein, dessen Milchvieh innert achtzehn Tagen am meisten Grasbüschel gerupft habe. Eine Kuh ist bekanntlich eine Einrichtung der Natur, die Gras für den Menschen genießbar macht. Es besteht der Verdacht, daß als Meßgröße für die Fressleistung der vom Menschen nicht genießbare Grasanteil herangezogen wurde. Gras lÄßt sich nÄmlich schlecht wiegen, wenn es das Rindvieh heruntergeschluckt wurde ....
Bei uns fand die Vieh-Mast am heimischen Küchentisch statt. Das acht mal acht Felder große Weideareal zeigt nach Westen hin ein paar BÄume, die Schutz vor Regen bieten, aber saugefÄhrlich sind, wenn der Blitz einschlÄgt. Im Norden steht ein Stall. Da haben die Züchter reichlich gespart, denn er bietet lÄngst nicht allen WiederkÄuern Platz. Im Osten mußte deshalb noch ein Unterstand gebaut werden, der aber auch nicht für alle Tiere ausreicht. Im Süden wÄchst am Fluß entlang gutes Gras. Doch wenn es eine Überschwemmung gibt zehrt das den armen Viechern an der Gesundheit. Der Plan ist so richtig lieb mit Bunt- und Filzstift von Hand gezeichnet. ZunÄchst plazieren die drei bis fünf Spieler ihre Kühe im GelÄnde um den Stall herum. Achtzehn EreignisplÄttchen liegen verdeckt neben dem Plan. In jedem Zug wird ein solches PlÄttchen aufgedeckt und auf einer ZÄhlleiste auf dem Plan abgelegt. Scheint die Sonne, dann dürfen alle Spieler der Reihe nach eine oder mehrere Kühe bewegen und Grasbüschel - das sind grüne Kunststoff-Chips - fressen. Was nicht immer ganz gelingt, denn Kühe machen, Ähnlich wie Tanker, keine großen Wendungen. Außerdem ist die Reichweite beschrÄnkt. Zeigt das EreigniskÄrtchen jedoch einen Blitz, so erschlÄgt er alle Kühe, die in einer Wasserlache oder unter einem Baum stehen. Bei Regen hingegen spendet der Baum Schutz. Kühe, die im Regen stehen erkÄlten sich ein wenig. Wenn mit dem nÄchsten Zug wieder die Sonne scheint dürfen sie zwar schon ein wenig umherlaufen, aber noch nichts zu sich nehmen. Wie sich der Wind auswirkt ist davon abhÄngig, ob es zuvor geregnet hat. Nach einem Regenschauer nagt auch der Wind an der Konstitution. Trockener Wind hingegen bringt neues Gras ins Land. Der Witz des Spiels besteht darin, das Risiko einzuschÄtzen, welches Feld für die gute Kuh wohl jeweils das sicherste sein könnte. Natürlich kann man die Rinder im Stall oder im Unterstand lassen. Aber dann kriegen sich nichts zu fressen und der Bauer wird nicht so reich, wie er werden könnte. "Fette Kühe" ist eines der vielen witzigen Produkte, wie sie nur fantasiebegabte Kleinstverlage herausbringen. Das Autoren-Ehepaar macht alles selbst. Manches, was man einem professionellen Hersteller schlicht um die Ohren hauen würde, wirkt bei diesen Idealisten der Spieleszene rührend. Was macht es denn auch aus, daß sich die liebevoll für jeden Mitspieler auf Pappe gekleisterte Kurzspielregel wellt und biegt? Daß auch das Weideland auf dem Spielplan nicht ganz eben ist? Das Spielmaterial selbst ist gediegen - große, buntlackierte Holzscheiben, auf einer Seite mit einem Vieh beklebt, das an die französische KÄsemarke "La vache qui riet" erinnert. Und das Spiel selbst hat einen flüssigen Ablauf und eine pfiffige Grundidee. Ein erfreuliches Blümchen auf der Spielwiese. Ebenso erfreulich und originell, wie das in gleicher Aufmachung erschienene originelle Spiel "WestwÄrts". (Tom Werneck) "Fette Kühe" und "WestwÄrts", Autoren und redaktionelle Bearbeiter: Marion und Andreas Dettelbach, Grafik: Christel Bewersdorff-Meyer, Verlag Spielteufel, Eisenhutweg 10, 70374 Stuttgart, Tel: 0711 / 530 2885, Fax: 0711 / 536 0713, Fette Kühe: 3 bis 5 Spieler, WestwÄrts: 2 bis 6 Spieler
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