
|
Goldsieber Kartenspiele 1997
Vor zwei Jahren hat ein neuer Spieleverlag die Brettspielszene durcheinandergewirbelt und mit vier hervorragenden Familienspielen auf sich aufmerksam gemacht. Der Ableger der Firma Simba, Goldsieber-Spiele, wurde damals gleich mit zwei Spielen ("Linie 1" und "Galopp Royal") für das "Spiel des Jahres" nominiert. 1996 erweiterten die Fürther ihr Spektrum durch Kinderspiele und erhielten für "Hallo Dachs" von Klaus Teuber den "Deutschen Spielepreis" für das beste Kinderspiel. Im Angebotsspektrum fehlten bisher nur Kartenspiele und man muß kein Prophet sein, um dem 97er-Programm, das fünf neue Kartenspiele enthält, ähnliche Erfolge vorauszusagen.
Alle fünf Spiele besitzen hohen Spielreiz, sind zum Teil äußerst innovativ und haben das Zeug zum Klassiker zu werden. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, unterschiedliche Altersgruppen werden ebenfalls angesprochen. Für die Kleinen ab sechs Jahren eignet sich das Familienkartenspiel "Kleine Fische" gut. Ein Angelspiel, in dem es gilt, Fischkarten verschiedener Fischsorten aufzudecken. Ein Gespür für das rechtzeitige Angelende ist nötig, denn man verliert Fische, wenn ein weiterer Fisch im Netzt zappelt, dessen Art man schon aufgedeckt hat. Für zwei bis vier Kinder eine durchaus spannende Angelegenheit. Ironisch, witzig verpackt kommt "Nimm's Leich" daher. Ein Zockerspiel, das sich an dem "Spiel des Jahres" 1993, "Bluff" orientiert. Schnaps-Leichen, Kartei-Leichen, Frosch-Laiche und andere diverse Leichen spielen eine Rolle. Jeder der drei bis sechs Mitspieler hält eine Karte mit sechs "Leichensymbolen" in unterschiedlicher Verteilung auf der Hand. Sind bei allen Mitspielern nun vier Schnaps-Leichen im Spiel oder sogar sechs Erbsch-Leichen vielleicht auch sieben Blindsch-Leichen? Es wird geboten, was das Zeug hält, bis einer nicht mehr mitmacht und das letzte Gebot anzweifelt. Dann schlägt die Stunde der Wahrheit, die Leichenfledderei hat ein Ende. Wer richtig getippt hat, darf seine Karte ablegen. Ein schnelles, spaßiges Bluffspiel, bei dem viele Wiederholungsrunden garantiert sind. Das gilt auch für "..und Tschüss!", das genial einfach, aber gerade deswegen außergewöhnlich viel Spielreiz besitzt. Die Regel, daß den Letzten die Hunde beißen, wird hier auf den Kopf gestellt. Vorletzter darf man nicht sein und das ist manchmal gar nicht so einfach. Es gilt, Karten zu ersteigern, die Werte von -10 bis + 15 besitzen. Solche Zahlenkarten hat man auch auf der Hand. In jeder Spielrunde die zu erwerbenden Karten in der Tischmitte, aber immer eine weniger als Mitspieler vorhanden sind. Verdeckt muß jeder eine seiner Handkarten ausspielen, der Spieler mit dem geringsten Kartenwert erhält die niedrigste Tischkarte. Dann wird um die zweite Tischkarte gepokert, die neuen Karten werden zu den bisher gelegten hinzugezählt, bis schließlich nur noch zwei Spieler übrig sind, die um die höchste Tischkarte kämpfen. Diese gewinnt jetzt aber der Spieler mit dem höchsten Kartenwert, der zweite geht leer aus. Rechtzeitiges Taktieren, frühzeitiges Aussteigen, auch langfristige Planungen für die nächsten Runden, indem man bewußt hohe Karten zurückhält, die dann vielleicht den Gewinn von 14 oder 15 Punkten erbringen, machen aus "... und Tschüss!" ein spannendes Kartenspiel. Das Spiel "Njet" des Hannoveraners Stefan Dorra, der 1997 mit fünf Spieleveröffentlichungen bei fünf verschiedenen Verlagen in diesem Jahr der erfolgreichste Spieleautor ist ein Stichspiel für drei oder vier Spieler, bei dem man in der Anfangsphase allen Spielern mit tollen Karten entsprechend Paroli bieten kann. Denn zu Beginn wird erst einmal festgelegt, was alles nicht Trumpf sein wird, ob Karten gedrückt werden dürfen oder nicht, wer Startspieler ist, ob es einen Supertrumpf, der den Buben beim Skat entspricht, geben wird und wieviel Punkte ein Stich wert ist. Reihum deckt jeder Spieler auf einem kleinen Spielplan all das ab, was ihm nicht paßt. So wird aus dem anfangs gut bewerteten Blatt ein mittleres und mit dem scheinbar schlechten, kann man doch ordentlich mithalten. Der Startspieler sucht sich dann einen Spielpartner aus, so daß, wie im Doppelkopf, zumindest in der Vierervariante ein Partnerspiel abläuft. "Njet" ist eine echte und sehr reizvolle Alternative für alle Skat- und Doppelkopffreunde. Das innovativste Spiel der Reihe ist die Büffeljagd "Manitou", die Günter Burkhardt entwickelt hat. Die zwei bis vier Büffeljäger können auf drei Jagdplätzen sich gegenseitig Büffel abspenstig machen. Dazu hat jeder Spieler eine Reihe von kleinen und großen Indianerkriegern (Spielkarten) zur Verfügung. Die kleinen Krieger ziehen nur auf Büffeljagd, die großen jagen die Büffel nicht, schützen aber vor gegnerischen Angriffen. Da man für jede der drei Jagdrunden nur eine bestimmte Kartenanzahl zur Verfügung hat, erfordert allein schon die Zusammenstellung der Karten für eine Jagdrunde viele taktische und psychologische Überlegungen, um in der Auseinandersetzung um Büffel und Krieger bestehen zu können. Neben "Njet" ist "Manitou" sicherlich das beste Spiel in der neuen Kartenspielreihe "à la carte" von Goldsieber. (Wieland Herold, Ahlfelder Zeitung)
|