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Husarengolf
Zum zweiten Mal in der langen Geschichte von 'Spiel des Jahres' hat die Kritikerjury in diesem Jahr den recht ungewöhnlichen 'Sonderpreis Geschicklichkeitsspiel' vergeben. Der Preisträger heißt HUSARENGOLF, ein Spiel, das sich im Grenzbereich dessen bewegt, was gemeinhin als 'regelgebundenes, zielorientiertes Gesellschaftsspiel' gilt. Der Begriff 'Spielgerät' trifft wohl eher zu. Dieser Sonderpreis beschreibt aber auch sehr anschaulich das weite Spektrum, in dem sich engagierte Spieleerfinder und -verlage heutzutage bewegen.
HUSARENGOLF von Torsten Marold ist im wahrsten Sinne des Wortes ein 'Brett'-Spiel, bestehend aus einem massiven 25 mal 40 Zentimeter großen Holztablett, an dessen Schmalseiten jeweils zwei Griffe angebracht sind. In das Tablett sind acht Mulden eingelassen und in vier Farben markiert. Im Spiel für zwei Personen wählt jeder Spieler zwei Farben und jeder nimmt zwei Griffe des Tabletts in die Hand. Nun wird eine Holzkugel auf die Spielfläche gelegt und auf Kommando beginnt ein wildes und mitunter recht schweißtreibendes Kippen, Zerren und Ruckeln mit dem Ziel, die Holzkugel in eine Mulde der eigenen Farbe zu manövrieren. Es ist zwar nicht erlaubt, dabei die Kugel springen zu lassen oder gar aus dem Spielfeld herauszukatapultieren, aber im Eifer des Gefechts läßt sich nur selten ausmachen, wer eine solche Regelwidrigkeit ausgelöst hat und so spielt man in aller Regel großzügig ohne Punktabzug weiter. Eine gewisse Lockerheit in der Regelauslegung sollte man schon zeigen. Als Maßstab empfiehlt die Regel das 'Ehrgefühl der Husaren', was immer das sein mag. Anfänger werden oft erst einmal mit roher Gewalt versuchen, das stabile Spielgerät zu ihren Gunsten zu bewegen. Doch schnell findet man heraus, daß es mit etwas Fingerspitzengefühl gar nicht nötig oder sinnvoll ist, die pure Körperkraft einzusetzen. Erahnen, was der Spielgegner machen will und dann mit blitzschneller Reaktion geschickt dagegenhalten, führt oft ebenfalls zum Punktgewinn. Das Spielgerät HUSARENGOLF hat aufgrund seiner ansprechenden und neugierig machenden Ausführung einen sehr hohen Aufforderungscharakter und macht tatsächlich Riesenspaß. Es ist keine abendfüllende Angelegenheit, aber ein fetziger Anheizer, der sich auch mit Kindern vorzüglich spielen läßt. (Andreas Mutschke)
Fast wäre der Artikel über Husarengolf nicht rechtzeitig fertig geworden und das kam so: Als ich im April dieses Jahres das erste Exemplar des Spieles zugeschickt bekam, war ich wie alle anderen in unserer Runde restlos davon begeistert. Es machte großen Spaß und erstaunlicher Weise hatten Kinder absolut keine Probleme, mitzuhalten. Und so war das Spiel auch ständig im Einsatz, bis es dann Anfang Juni seinen Geist aufgab – Bruch eines Griffes war die nüchterne Diagnose. Ich erzählte das Joe Nikisch in Berlin bei der Preisverleihung zum "Spiel des Jahres", wo er für "Husarengol" den Sonderpreis "Geschicklichkeitsspiel" in Empfang nehmen durfte und er erzählte mir, daß ich nicht der einzige mit diesem Problem sei. Der Grund dafür war, daß der Tischler, es besonders schön machen wollend, die beiden Griffe nicht aus je einem Stück Holz gefertigt hatte, sondern mit zugegebener Maßen sehr schönen Holzverbindungen zusammengefügt hatte. Daß dadurch aber eine Schwachstelle entstand, konnte er nicht ahnen. Kurz und gut, Joe und ich vereinbarten, daß ich ein Exemplar der neuen Fertigung zugeschickt bekommen würde, als Gegenleistung für einige Magickarten, die ich für ihn dabei hatte. Nun ja, irgendwie scheint er das aber verschwitzt zu haben, der gute Joe, denn es kam vieles den ganzen Sommer lang, nur eben kein Husarengolf. Und ohne das neue Exemplar wenigstens einmal gesehen zu haben, wollte ich die Rezension dann doch nicht schreiben. Die Zeit verstrich und langsam wurde es knapp und so ich schickte ein letztes Fax, mit der Bitte um Zusendung, daß dann endlich Gehör fand, denn am 1. September, schon nach Redaktionsschluß, aber Karsten Höser kennt meine Unpünktlichkeit, traf dann das lang ersehnte Exemplar endlich ein, mit der "Augenkugel" – aber jetzt sollte ich vielleicht doch einmal das Spiel kurz beschreiben. Spielmaterial ist ein aus Erlenholz gefertigtes rechteckiges Holzbrett, versehen mit einer Bande, das auf zwei lange Holzgriffe aufgedübelt ist. Diese Griffe, wie schon erwähnt, sind in der neuen Ausgabe aus je einem Stück Holz, was die Haltbarkeit doch deutlich erhöhen dürfte. Verteilt auf dem Brett sind acht Löcher so gebohrt, daß eine etwa 6 cm große Kugel entweder aus Holz oder in Form eines Auges, bei dem auf Grund der Trägheit, die Pupille immer blutunterlaufen die Spieler anblickt, zwar nicht zur Gänze, aber doch zum Teil hinein fallen kann. Jedes Loch ist farblich gekennzeichnet, wobei je zwei Löcher die selbe Farbe besitzen. Zu Beginn einer Partie sucht sich jeder der zwei oder vier Spieler eine Farbe aus, bei zwei Spielern erhält jeder zwei Farben und nun geht es "nur" darum, die Kugel in ein Loch der eigenen Farbe zu bekommen. Wie, das ist das Problem dabei. Jeder hält also einen Griff in der Hand, bzw. zwei, wenn man zu zweit spielt und versucht auf Biegen und Brechen, die dämliche Kugel in ein Loch der eigenen Farbe zu rollen. Wer aber glaubt, daß man das mit Kraft allein problemlos schafft, der hat sich kräftig geschnitten. Denn nichts ist leichter, als die Kraft des Gegners durch geschicktes Nachgeben für seine eigenen Zwecke umzulenken. Von dieser Warte aus wird das Spiel fast philosophisch. Und so sieht man bald zwei oder vier Spieler die wildesten Verrenkungen aufführen, nieder auf den Boden, in die Höhe, das Brett etwas seitlich neigen, nachgeben, fixieren, um dann den Druck des Gegners auszunützen, aber der hat natürlich das selbe vor. Es läßt sich nur schwer beschreiben, was da genau abläuft, nur eines kann ich mit Sicherheit sagen: Man kommt dabei ganz schön ins Schwitzen und auch an Kondition wird einem einiges abverlangt, obwohl man das zunächst gar nicht vermuten würde. Und wie schon erwähnt, ist man als Erwachsener keineswegs der programmierte Sieger, wenn es gegen den 10-jährigen Sohn geht. "Husarengolf" besitzt, nicht zuletzt wegen seiner wunderschönen Fertigung, einen sehr hohen Aufforderungscharakter. Es ist gleich klar, worum es dabei geht, es bedarf also keiner langen Erklärungen. Und schnell gespielt ist es natürlich auch, selbst wenn man ein "best of three" Match spielt, wie sich das bei uns eingebürgert hat. Ob es sich dabei wirklich noch um ein Spiel im klassischen Sinn handelt oder, wie einige etwas kritisch anmerkten, schon um ein Spielzeug, ist mir persönlich vollkommen egal, auch bei der Berücksichtigung für "Spiel des Jahres", denn "Husarengolf" erfüllt alle Kriterien, die ich an ein gutes Spiel stelle - der etwas hohe Preis paßt da vielleicht nicht ganz hinein, aber er ist auf Grund des teuren Materials und der gediegenen Fertigung gerechtfertigt. So gesehen kann mein Urteil nur positiv ausfallen und auch der Sonderpreis "Geschicklichkeitsspiel" geht voll in Ordnung, nicht zuletzt, weil es endlich an der Zeit war, die jahrelange mühevolle Arbeit des Kleinverlags "Abacus" zu würdigen. Mir allerdings, das sei an dieser Stelle angemerkt, wäre aber "Inkognito" auf der Nominierungsliste noch lieber gewesen, oder besser noch beides, aber das sollte leider nicht sein. (Helmut Wresnik)
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