Jumanji

Jumanji - Der Film zum Spiel
Daß in einem Film auch mal ein Spiel vorkommt ist ja nichts neues. Relativ selten hingegen sind Filme, die sich ausschließlich um ein Spiel drehen. Jumanji kommt gerade ins Kino und ist ein Film, der seine ganze Handlung nur aus dem gleichnamigen Spiel bezieht. Das zugehörige Spiel ist auch schon da.
Der turbulente Film gehört in die Kategorie Jurassic Parc, Casper, Die Maske oder Abyss. Was mit den normalen Mitteln filmischer Dekorations- und Animationskunst nicht mehr dargestellt werden kann, fügen die Computerspezialisten von Industrial Light & Magic (ILM) hautnah mit dem Sotware-Tool PowerAnimator (Alias/Wavefront) mit Hilfe von SiliconGraphics-Rechnern ein. Ein Bub, ein echter Looser, den die Klassenkameraden bei jeder passenden Gelegenheit verhauen, findet ein geheimnisvolles Spiel. Er spielt es mit einer Freundin. Ein mal falsch gewürfelt - und plötzlich verwandelt er sich, löst sich auf und verschwindet. Sechsundzwanzig Jahre später sitzen wieder zwei Kinder an dem ominösen Spielbrett. Das Orakelauge im Spielbrett sagt ihnen, daß sie das Spiel um jeden Preis zu Ende bringen müssen, weil sonst schreckliche Dinge geschehen werden. Natürlich spielen die beiden weiter, und natürlich passieren dann auch die schrecklichsten Dinge. Doch der vor einer Generation verschwundene Knabe taucht aus irgendeinem fernen Dschungel wieder auf, die Jugendfreundin, die seit damals einen leichten Klaps hat, wird aufgestöbert, und zu viert geht das Jumanji-Spiel dort weiter, wo es seinerzeit unterbrochen wurde. Plötzlich tobt ein Löwe durch die biedere neuengliche Domizil, trampeln Nashörner, Zebras und Elefanten durch die friedliche Kleinstadt, bricht das totale Chaos aus. Mit jedem Zug passiert etwas völlig unerwartetes. Obgleich die Villa inzwischen von gierigen Dschungelpflanzen völlig überwuchert, von einem Erdbeben auseinandergerissen und vom Monsun metertief unter Wasser gesetzt wurde spielen die vier bis zum bitteren - nein, bis zum glücklichen - Ende.

Jumanji - Das Spiel zum Film
Und prompt ist das gleichnamige Spiel schon auf dem Markt. Leider nicht in der wunderschönen Aufmachung in einem geschnitzten, sanft patinierten Holzkasten, der sich aufklappt, wie ein heiliger Schrein, sondern in schlichter Pappschachtel. Die ist dafür ordentlich groß geraten.

Der Spielplan stimmt ganz gut mit dem Plan im Film überein. Von den Ecken her laufen vier geschwungene Wege zum Orakelauge in der Mitte. Im Film erscheint dort nach jedem Zug ein Text wie auf einem schwarzen Bildschirm. Hier schiebt man einfach eine Karte mit Rotdruck unter eine rote Folie und liest den Text vor.

Das Spiel ist für vier Spieler ausgelegt. Die Versionen für drei oder zwei funktionieren zwar auch, holpern dabei aber ein wenig. Der Transport erfolgt über einen achtflächigen Würfel, der die Figur auf eine von drei möglichen Feldarten führt. Ein normales, leeres Feld bringt eine Gefahrenkarte ins Spiel. Sie zeigt einen orakeligen Vierzeiler, der aber keine Auswirkungen auf das Spiel hat, sondern nur ein wenig Atmosphäre herbeizaubern soll. In der Ecke ist eines von sieben Symbolen zu sehen. Die finden sich auf vier weiteren Oktader-Würfeln wieder. Der Spieler ist in Gefahr und muß von seinen Mitspielern gerettet werden. Dazu dreht man die Sanduhr um, die verdammt kurz läuft. Bis der Sand durchgerieselt ist würfeln alle Mitspieler aus Leibeskräften, um das rettende Symbol - ein Rettungsfloß, ein Seil, eine Axt und so weiter, oder einen Joker - beizubringen. Gelingt es, haben sie den Spieler gerettet und er darf bleiben, wo er ist. Wenn nicht, so drückt es ihn um eine Augenzahl zurück, die ebenfalls in rot auf der Karte steht. Nun liegt es ja eigentlich nahe, die Konkurrenten möglichst weit nach hinten zu drängen, weil auch hier gewinnt, wer zuerst im Ziel, sprich im Mittelpunkt landet. Doch damit handeln sich alle einen bösen Nachteil ein. Wird nämlich ein Spieler zurückgeworfen, so wandert die Karte auf ein Zählband. Zehn Karten - und das Spiel ist aus. Dann haben die Spieler haben verloren, der Dschungel hat gewonnen. Prescht allerdings einer allzu schnell vor, so kann man ihm ein Rhinozeros in den Weg stellen, das allerdings mit einer Fünfzig-Prozent-Chance, nämlich mit jeder geraden Augenzahl wieder aus dem Weg geräumt wird.

Jumanji ist ein ordentliches, braves Würfelspiel für Kinder, das seinen Weg machen wird, wenn der Film erfolgreich wird und nicht gleich wieder unter 'ferner liefen' in der Versenkung verschwindet. Schade nur, daß die Aufmachung so weit neben der Vorlage des Films liegt. Das gilt auch für die Ausstattung. Die dickbäuchigen, lasierten Holzkegel sind zwar hübsch. Doch sie halten keinem Vergleich zu den bulligen Zugsteinen im Film stand.

(Tom Werneck)