Kardinal und König

Schlank, transparent, flexibel. Dank all dieser positiven Eigenschaften fällt es KARDINAL & KÖNIG nicht schwer, auch in einem derart starken Jahrgang wie dem jetzigen wahrgenommen zu werden. Und sich mit einem äußerst günstigen Preis und einer Spielzeit unter einer Stunde als Familienspiel per excellence zu behaupten. KARDINAL & KÖNIG (Goldsieber; 35 DM) führt die 3 - 5 Teilnehmer ab 12 Jahren ins Mitteleuropa des 12. Jahrhunderts. Durch Ausspielen von Karten gründen sie in den verschiedenen Königreichen Klöster und bringen Räte ihrer Couleur an die Höfe der Herrscher. Ziel dabei ist es, bei Zwischen- und Schlußwertung an strategisch entscheidenden Stellen Mehrheiten vorweisen zu können, um dafür Siegpunkte zu kassieren. Das Spielprinzip ist denkbar einfach, und auch das auf das Vorgehen vorwirkende Wertungssystem läßt sich schnell erfassen. Drei Handkarten erlauben maximal zwei Aktionen in genau einem Land. Aktionen, die man natürlich auch mit Blick auf die Auslage jeweils nachzuziehender Karten durchführt. Und da die Karten zumeist zwei Länder betreffen und als Pärchen sogar für eine Aktion in einem Drittland eingesetzt werden können, läßt sich das für ein solches Spiel unerlässliche Glücksmoment mit taktischem Geschick gut in den Griff bekommen. Während Klöster überall und jederzeit errichtet werden können, solange es entlang der Straßen noch freie Bauplätze gibt, sind die Vorgaben für neue Räte etwas strenger. Sie können erst auf den Plan treten, wenn das betreffende Land mindestens ein Kloster vorzuweisen hat. Außerdem richtet sich ihre maximale Anzahl nach der Mehrheit an Klöstern dort.

Bei der Zwischenwertung erhält der Spieler mit den meisten Klöstern in einem Land so viele Punkte, wie es dort insgesamt Klöster gibt. Aber auch die anderen gehen nicht leer aus, sondern bekommen ihrerseits Punkte entsprechend der Anzahl Klöster des jeweils vor ihnen Platzierten.

Die Räte gewinnen erst für die Schlußwertung Bedeutung. Und auch dann genügt es nicht, überhaupt hier und da über Mehrheiten zu verfügen. Vielmehr ist jeweils eine Ratsmehrheit in zwei verbündeten Ländern erforderlich, kann es allerdings aufgrund der mannigfachen Bündnisse auch zu Mehrfachwertungen kommen. Jetzt bringen auch Ketten von vier und mehr benachbarten Klöstern noch Punkte.

Autor dieses auf das absolut Wesentliche konzentrierten Spiels ist Michael Schacht, der damit auch völlig zu Recht auf die Auswahlliste zum Spiel des Jahres gelangt ist. Ein Erfolg, der ihm im Vorjahr bereits mit dem im selben Verlag erschienenen taktischen Legespiel KONTOR beschieden war. Bleibt zu hoffen, dass er dieses hohe Niveau auch weiterhin zu halten vermag.

(Jochen Corts)

"Kardinal & König" von Michael Schacht, Goldsieber, für 3 bis 5 Spieler ab 12 Jahren.