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Laguna
Ein Spiel muß heute - koste, was es wolle - ein Szenario haben, eine Hintergrundstory, die den Spieler groß und klein in seinen Bann zieht. Die von "Laguna" ist schnell erzählt und ebenso schnell im Spiel wieder vergessen.
Beim großen Perlenfest rund um die Lagune sammeln die Bewohner der acht südpacifischen Inseln Perlen, um sie dem Vulkan in Spielfeldmitte zu opfern. Wer dort zuerst eine be-stimmte Zahl von Perlen seiner Farbe hineingeworfen hat, gewinnt den ausgesetzten Ehrenpreis.
Die Story ist zwar ein bißchen dürftig gestaltet, aber das soll uns von dem Spiel nicht abhalten. Sie sitzen also auf einem Floß Ihrer Farbe und machen erst einmal eine Probefahrt. Von den sechs großen Löchern, die den Blick in die klaren Tiefen der Lagune freigeben, haben Sie vier bereits mit großen Glas-kugelperlen verdeckt. Die Vorschriften sind klar: sie müssen immer mindestens zwei Kugeln an Bord haben. Es dürfen aber auch nicht mehr als vier geladen werden. Sie können sich die Kugeln unterwegs von den Inseln schnappen oder in friedli-chen Händeln von Floß zu Floß mit Ihren Mitbewerbern ein-tauschen.
Sie sehen durch eines der beiden Löchern Ihres Floßes einen Pfeil auf dem Grund? Verflixt, Sie sind in eine Strömung gera-ten. Die Richtung des nächsten Zuges ist vorgeschrieben, es treibt Sie in die Richtung der Riffe. Jetzt heißt es aufpassen! Durch geschicktes Verlagern der Perlenglaskugeln können Sie ein solches Riff passieren. Weil Sie es jetzt nicht mehr sehen, ist es auch nicht mehr da. Das gilt auch für die Strömungspfei-le.
Sie meinen, so eine Floßfahrt auf der Lagune sei doch eine recht einfache Sache? Just, wenn Sie das glauben, findet auch ihre Probefahrt ein jähes Ende: eines der zahlreichen Riffe wurde von Ihnen übersehen und lugt überdeutlich durch eines der Bodenlöcher.
Im Spiel selbst wird einem die jeweils zur Verfügung stehen-de Fahrtzeit durch eine Sanduhr zugemessen. Und die ist in genau dreißig Sekunden durchgelaufen. Das produziert natür-lich Streß, Streß und nochmals Streß. Ständig muß man die Riffe und Strömungen im Auge behalten. Das Verlagern der Glasperlenkugeln muß schnell gehen, aber doch sorgsam und mit Bedacht vorgenommen werden, sonst kommt man schnell auf ein Riff oder in eine ungünstige Strömung.
Alles in allem gesehen macht "Laguna" im Spiel zu viert durchaus Spaß, zu zweit gespielt wirkt es ein wenig zäh. Da ist es dann doch ein wenig schwierig, gleichzeitig mit dem einen Auge die Züge des Mitspielers und mit dem anderen das Durchlaufen der Sanduhr zu kontrollieren.
Die Spielregel ist optisch gut aufgebaut, hat hier und da ein paar Löcher, die aber durch logisches Nachdenken gestopft werden können. Und wo wir schon beim Meckern sind: der Karton ist doch ein bißchen groß geraten. Doch im Gegensatz zu manch anderem Riesenkarton ist das Spiel darin durchaus akzeptabel - wie gesagt zu viert gespielt!
(Bernward Thole) Zur neuen optisch auffallenden Reihe "Queen Games 2000" , deren Titelgrafik sich über alle die Seitenteile der Spieleschachteln erstreckt, gehört das Perlensucherspiel "Laguna", das auf einer innovativen Spielidee des Bonner Spieleautors Bernhard Weber, beruht. Er entführt zwei bis vier Spieler zum Perlentauchen in die Südsee. Der fade Beigeschmack, den man in diesen Tagen bei einem solchen Tauchabenteuer haben muss, ist dem Autor nicht anzulasten. Das Schicksal der Göttinger Familie Wallert und das ihrer Mitgeiseln, die schon vor über fünf Wochen aus ihrem traumhaften Schnorchelrevier Sidapan auf die philippinische Insel Jolo verschleppt wurden und sich immer noch in der Gewalt terroristischer Entführer befinden, wird in diesen Tagen unausweichlich zum Thema, wenn "Laguna" auf den Spieltisch kommt. Webers Südseeplan ist mit einem Raster von 24x24 quadratischen Feldern überzogen. Auf einigen dieser Felder sind Richtungspfeile zu sehen, die Strömungsrichtungen des Wassers anzeigen, außerdem gibt es noch eine ganze Reihe von Riff-Feldern. In Ausstanzungen des Spielplans sind am Rande acht Perleninseln untergebracht; im Zentrum befindet sich eine Vulkaninsel. Auf den Inseln liegen zu Spielbeginn drei Perlen unterschiedlicher Farbe. Jeder der zwei bis vier Spieler erhält eine Art Floß, ein rechteckiges Holzstück mit sechs Löchern, das an einer der Perleninseln anlegt. In das Floß werden zwei oder drei Perlen von der Insel eingeladen. Die Spieler müssen nun versuchen, über die Wasserströmungen und Riffs hinweg Perlen der eigenen Floßfarbe zur Vulkaninsel zu bringen. Je nach Spielerzahl müssen dies bis zum Spielende vier, fünf oder sechs Perlen sein. Seinen besonderen Reiz erhält "Laguna" durch den Zeitdruck, unter dem die Spieler stehen, wenn sie ihre Flöße bewegen. Eine Sanduhr, die ca. 30 Sekunden läuft, beschränkt die Dauer eines Spielzuges. Die Perlen müssen dabei so auf den sechs Löchern des Floßes verteilt werden, dass bei der "Fahrt" des Bootes in den freien Öffnungen stets nur Wasserfelder zu sehen sind. Taucht ein Pfeil auf, so muss in dessen Richtungen weiter gefahren werden; ist ein Riff zu sehen, endet der Zug sofort. Restzeiten kommen dem nachfolgenden Spieler zugute, der dadurch länger fahren darf, wenn ihm nicht auch ein Riff in die Quere kommt. Während der Züge sind die Spieler ständig am Umgruppieren der Perlen, um gefährliche Stellen unsichtbar werden zu lassen. Da kommt Hektik auf ! Wer zu lange nachdenkt, ist bald aus dem Rennen. Unter dem enormen Zeitdruck kommt es aber auch bei scheinbar coolen Spielern ständig zu Fehlern. Unterwegs gilt es noch aufzupassen, dass die lieben Mitspieler dem eigenen Boot nicht zu nahe kommen. Denn sobald einer anlegt, darf er Perlen tauschen und kann damit die Anzahl der Perlen seiner eigenen Farbe erhöhen. Nur gut, dass nach dem Ausladen am Vulkan mindestens zwei Perlen noch im Floß bleiben müssen, sonst käme man auch gar nicht mehr weiter und würde hilflos in der Südsee herumtreiben. Eine tolle Spielidee, deren redaktionelle Bearbeitung Bernd Dietrich von Queen Games fast perfekt gelungen ist. Äußerst stimmig ist der dreidimensionale Spielplan und das dazugehörige Spielmaterial. Raffiniert seine Idee, eine leichtere und eine komplexere Variante anzubieten, indem er den Spielplan doppelseitig nutzt. Auf der einen Seite befindet sich ein relativ harmloses Tauchgebiet, das Neulingen einen guten Einstieg ins Spiel bietet. Auf der Rückseite stoßen die Spieler fast ständig auf Riffe und Strömungspfeile, so dass selbst erfahrene Floßkapitäne ins Schwitzen kommen. Auch seine Regelvarianten bieten durch Weglassen der Sanduhr, Erhöhen der Ladekapazität Erleichterungen an. "Laguna" eignet sich dadurch sehr gut als Familienspiel, wenn mitspielende Grundschulkindern zum Beispiel ihr Floß mit fünf Perlen beladen dürfen. Der Verlag hat an alles gedacht, sogar an fehlende Spielpartner: Durch eine Solovariante kann man sogar alleine zum Perlensammeln aufbrechen. (Wieland Herold, Alfelder Zeitung)"Laguna" von Bernhard Weber, Queen Games, für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahren
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