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La Isla Bonita
Also haben auch Amigo und Uwe Rosenberg messerscharf erkannt: Eine Seefahrererweiterung ist heutzutage Pflicht für jedes gute Spiel! Das Ergebnis dieser Erkenntnis: "La Isla Bonita". Vorbei ist das friedliche Bohnenpflanzen und Ernten, das läßt bereits das Titelbild deutlich erkennen, denn der auf einer Kanonenkugel daherfliegende Seeräuber, das Entermesser zwischen die Zähne geklemmt, kommt sicherlich nicht zum Kafeeklatsch vorbei. Gebraut wurde der Kaffe übrigens mit den neuen Mokkabohnen und um die Decks der Handels- und Piratenschiffe immer blitz und blank bohnern zu können, wurde auch an Wachsbohnen, die zweite neue Bohnensorte, gedacht. Was gibt es sonst noch Neues in der kleinen Schachtel? Natürlich das, was "La Isla Bonita" erst zur Seefahrererweiterung macht, die Schiffe. Jeder Spieler startet mit einer Handelsfregatte, kann aber, wann immer er Lust verspürt und die nötigen Bohnentaler (im folgenden mit BT abgekürzt) zu investieren bereit ist, seine Flotte um ein weiteres Handels- (Kostenpunkt 4 bzw. 3 BT, je nach Spielerzahl) oder um ein Piratenschiff (2 BT) aufrüsten.
Und daß nun auch Häfen her müssen, ein Schiff ohne Hafen ist wie ein Seemann ohne Braut, versteht jeder. Also wälzte man Atlanten und fand Melbohn, Bohnstantinopel, Lissabohn, Barcebohna, Thessabohniki, Bohnos Aires und Rio de Bohneiro. Doch während diese Städte, jedem Spieler wird eine entsprechende Karte als sein Heimathafen übergeben, nur atmosphärische Bedeutung besitzen, haben die Bohnenmetrobohnen Bohnbay und Bohnaco auf der Insel La Isla Bohnita auch spielerische Bedeutung. In jeder der beiden Handelszentren werden nämlich zu Beginn je 5 Bohnenkarten aufgelegt. Und später, wenn sie aufgebraucht sind, immer wieder neu ergänzt. Wie aber kommt man nun an die Bohnen aus Bohnbay oder Bohnaco? Natürlich mit seinen Handelsschiffen. Diese dürfen nämlich in der zweiten Phase, also nach dem Aufdecken der obersten zwei Karten des Bohnenstapels in See stechen, und Bohnen in den beiden Metrobohnen laden. Und wie schon beim Anpflanzen gibt es hier strenge Vorschriften: Jedes Handelsschiff darf nur Bohnen einer Sorte transportieren und die 5 Bohnenkarten in den Häfen der Isla sind sortiert, d.h. es muß immer von oben weggenommen werden. Das scheint natürlich eine große Einschränkung zu sein, doch mit etwas Geschick kann man hier ganz schön tricksen. So darf man z.B. durchaus mehrere Karten gleichzeitig laden, soferne sie sortengleich sind und auch das Anfahren beider Häfen ist bei passendem Bohnenangebot in einem Zug erlaubt. Und wenn es einem sogar gelingen sollte, die Ladung auf seinem Handelsschiff zu löschen, dann darf man gleich ein weiteres Mal La Isla heimsuchen. Wer nun aber glaubt, die Ladung werde gelöscht, indem man sie auf einem der eigenen Bohnenfelder anbaut, der hat sich getäuscht, denn was sie in Bohnbay und Bohnaco bekommen, sind nicht zarte Bohnensprößlinge, sondern ausgewachsene, geerntete Bohnen, die nur mehr verkauft werden müssen. Allerdings und das ist eine lästige Einschränkung, muß man dabei auch tatsächlich BTs erhalten. Also nur mal so kurz zur Isla tuckern, jemand anderem Bohnen vor der Nase wegschnappen und dann einfach ins Meer schütten, das ist nicht drin. Und auch verschenkt werden dürfen Bohnen eines Handesschiffs nicht. Aber wenn man die selbe Bohnensorte auch auf einem Feld angepflanzt hat, so darf man diese Bohnen zuerst ernten und dann zusammen mit der Ladung verkaufen. Ja es ist sogar gestattet, die Bohnen eines Feldes zu ernten und auf einem Handelsschiff zwischenzulagern, doch ist dies mit einigem Risiko verbunden, sobald Piraten im Spiel sind. Und da diese, wie schon erwähnt, nur 2 BT kosten, wird das nicht allzu lange dauern. Auch Piraten dürfen nur eine Sorte an Bord haben und beraubt werden daher nur Handelsschiffe, die die passende Sorte geladen haben. Wehren gegen einen solchen Überfall kann sich der Eigner des Schiffes nur, indem er die Bohnen noch schnell verkauft. Aber man muß dafür Bohnentaler erhalten und darf in diesem Notfall mit keinen Bohnen aus Beeten aufstocken. Ist diese Gegenwehr nicht möglich, dann schnappt sich der Pirat eine der geladenen Karten. Bohnen des Piratenschiffes dürfen jederzeit zusammen mit Bohnen aus Handelsschiffen und Beeten verkauft werden, oder in ein Handelsschiff umgeladen werden. Der umgekehrte Weg, also das Piratenschiff als sicheres Zwischenlager für Bohnen eines Handelsschiffes oder Beetes zu verwenden, ist aber nicht möglich. All diese Neuerungen spielen sich in der zweiten Phase des Spiels ab, in der bisher der Handel zwischen den Bohnengärtnern dominierte. Dies ist zwar auch weiterhin so, doch die neuen Elemente eröffnen natürlich auch mehr Möglichkeiten und bei günstigen Konstellationen kann man da sogar richtig absahnen. Hier liegt aber auch ein Problem begraben, vor allem in den ersten Partien, denn gerade bei solchen Monstertransaktionen hat man immer das Gefühl, daß hier etwas nicht stimmen kann. Bestärkt wird das Ganze noch durch die Tatsache, daß wie schon beim Grundspiel die Regeln nicht besonders einfach zu verstehen sind. So wird z. B. das Thema Handelsschiff nicht an einer Stelle der Spielregel behandelt, sondern ist über die ganze Regel verteilt. Doch wenn man die einzelnen Elemente und deren Zusammenhänge erst ein Mal begriffen hat, ist alles ganz einfach. Und dann hängt es eigentlich nur noch davon ab, ob die Mitspieler auch bereit sind, die neuen Möglichkeiten anzuwenden. Denn was nützt ein Piratenschiff, wenn die anderen ihre Handelschiffe kaum in See stechen lassen und wer auf seinem Handelsschiff eine der selteneren Bohnen zwischenlagert, etwa die Rote, ohne baldige Aussicht auf weitere zu haben, der darf sich nicht wundern, wenn er darauf sitzen bleibt und damit sein Handelsschiff blockiert. Da kann man dann nur hoffen, daß die anderen so gnädig sind und ihr Piratenschiff schicken. Wenn aber nach einigen Partien alle die zahlreichen neuen Möglichkeiten nützen, dann bekommt das Spiel den richtigen Drive. Um dabei dann noch den Überblick zu haben, empfiehlt es sich, etwas langsamer vorzugehen und die einzelnen Aktionen streng voneinander zu trennen. Das bremst zwar etwas den Spielfluß, erspart aber lästige Diskussionen. Alles in allem ist die neue Erweiterung eine Bereicherung für alle Bohnisten und man wartet in der Fachwelt schon gespannt schon auf die nächste. Dabei kann es sich wohl nur um die Kabohnenbooterweiterung handeln, damit endlich scharf geschossen werden kann - mit blauen oder Feuerbohnen versteht sich! (Helmut J. Wresnik)
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