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Memo Crime
"Heute schon im Kopf gejoggt?", fragt die Ravensburger Werbeabteilung und empfiehlt umgehend die neue Spiele-Reihe THINK, die amgeblich die "Gehirnmuskeln spielend auf Trab" bringt. Das ist doch ganz klar: Nur wer ein durchtrainiertes Hirn und dementsprechend auch ein excellentes Gedächtnis sein eigen nennt, kann in diesen harten Zeiten noch wirklich Karriere machen.
Natürlich ist das Gehirn kein spezieller Muskel und ein gutes Gedächnis keine optimale Muskelleistung, aber dennoch kann man die Denkfähigkeit und das optimale Erinernungsvermögen - davon bin ich durchaus überzeugt - durch ständiges Training fördern. Und wenn das auch noch spielerisch erledigt werden, ist dagegen eigentlich nichts einzuwenden.
Allerdings sind nicht alle acht Titel, mit denen die neue Reihe der THINK-Spiele eröffnet wurde, vom Spielerischen her echte Highlights zu nennen. Nicht spielerisch Revolutionäres, eher Bewährtes wie etwa Tangram und Memory in neuem Gewand wird angeboten. Wirklich Spaß hat mir eigentlich nur "Memo Crime" bereitet. Wie Max Kobbert ("Das ver-rückte Labyrinth") hier das gute, alte Gesellschaftsspiel "Koffer packen" aufmischt, ist schon sehens- und spielenswert. Der Titel des Spiels deutet es bereits an: Es geht nicht um die nächste Fahrt in den Urlaub, sondern um harte Ermittlungsarbeit im Großraumbüro der Kripo. Nur wer sich konzentriert und dabei sein Gedächnis optimal einsetzt, hat eine reale Chance, zum Kriminalkommissar aufzusteigen und eventuell die Nachfolge von Horst Tappert anzutreten. Auf vier bzw. sechs Schreibtischen stapeln sich im Laufe des Spiels die Aktenkarten mit Indizien zu Fällen, die dort gerade in der Ermittlung stehen. Wer auf einem der Arbeitsplätze landet, muß den dort bearbeiteten Vorgang Begriff für Begriff memorieren können. Falls ihm das gelingt, darf er am Ende die Beweiskette um einen neuen Hinweis erweitern. Versagt er, erfährt seine Karriere einen schmerzhaften Knick auf der äußeren Umlaufbahn des Spielfeldes. Auf den Wegen zwischen den Schreibtischen lauern weitere Herausforderungen an die kleinen, grauen Zellen (nicht Muskeln!) in Gestalt von Ereigniskarten. "Du hast Big Joe außer Gefecht gesetzt. Das bringt Dich auf der Karriereleiter um einen Sprosse weiter." Solche Botschaft vernimmt man natürlich gerne. Weniger erfreulich ist da eine Karte mit folgender Mitteilung: "Du mußt den Fall wiederholen, den Dein linker Nachbar aussucht. Je nachdem, ob es Dir gelingt, geht es mit Deiner Karriere dem Aktenberg entsprechend auf- oder abwärts." Natürlich wird sich der liebe Kollege genüßlich den gemeinsten Fall mit den größten Aktenkartenstapel aussuchen, den das Büro zu bieten hat. So ist das nun einmal im Leben! "Memo Crime" von Max J.Kobbert ist ein wirklich unterhaltsames Spiel für zwei bis sechs Fahnder. Ob die allerdings - wie auf dem Karton vermerkt - sage und schreibe 16 Jahre alt sein müssen, um mitspielen zu können, wage ich zu bezweifeln. Ich denke vielmehr, hier ist dem Autor wieder ein wirklich starkes Familienspiel gelungen, bei dem auch Achtjährige durchaus mithalten können. (Bernward Thole) MEMO CRIME von Max Kobbert, Ravensburger, Merkspiel für 2-6 Spieler ab 8 Jahren
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