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Metro
In Vorbereitung der Weltausstellung des Jahres 1900 wurde sie in Paris gebaut, die sagenumwobene Metropolitain, kurz "Metro" genannt. Noch heute ist sie eines der sichersten Nah-verkehrsmittel der Welt, Jahr für Jahr Millionen von Passagie-ren befördernd. Für ihre Erbauung wurde die ganze Stadt jah-relang um- und umgebuddelt. Dagegen ist das, was 100 Jahre später über die biederen Hannoveraner hereinbrach, geradezu ein Kinderspiel.
Der Spieleautor Harald Henn führt ihnen das jetzt mit seinem Spiel "Metro" drastisch vor Augen. Rund um den 8 x 8 Felder großen Spielplan und auch in Spielfeldmitte sind ingesamt 36 U-Bahn-Stationen angesiedelt, bekannte wie Montparnasse und Bastille und Louvre, aber auch weniger bekannte - hier haben Autor und sein Graphiker offensichtlich mit Akribie den Metro-Fahrplan von Paris ausgeschlachtet.
Bei den Metro-Stationen, die ringsherum an den Rändern des Spielplans angesiedelt sind, führt ein Gleis hinaus, ein anderes hinein. Klar ist zunächst, daß hier gestartet wird. Nach einem genauen Plan stellen die Spieler also nacheinander zunächst die Waggons ihrer Farbe auf. Dann bekommt jeder Spieler verdeckt ein Schienenkärtchen überreicht. Und schon kann der fröhlich-chaotische U-Bahnbau beginnen.
Die Schienenkärtchen zeigen viele verschieden Kombinatio-nen von geraden und verzwischen Gleisverläufen. Wer an der Reihe ist, deponiert sein Kärtchen nach reiflicher Überlegung da, wo es ihm nutzt und/oder nach Möglichkeit einem der lie-ben Mitspieler schadet. Aber leider geht es einem da so, wie im richtigen Leben: Nicht immer zieht man die Karte, die man gerade braucht. Und meistens erhält einer der Gegenspieler genau im ungünstigsten Moment die Karte, die einem am meisten schadet.
Harald Henn kennt offensichtlich die Gehässigkeit seiner Spielergemeinde und hat vorgebeugt. Eine Karte, bei der der Gegenspieler umgehend wieder in seine Start-Station zurück-geführt wird, darf nicht gelegt werden. Aber auch so hält das Spiel viele Überraschungen parat. Eine Linie, auf die man be-sonders große Hoffnung gesetzt hat, wird umgehend geknickt. Eine andere, mit der man gar nicht gerechnet hat, bringt Punk-te, daß einem ganz schwindelig wird.
Jedes Plättchen, über das die Metro geführt wird, bringt einen Punkt. Sind es viele Plättchen, gibt es viele Punkte. Aber die werden einem selten gegönnt und ergeben sich oft genug eher aus Zufall, einer unbedachten Gnade oder Unaufmerksamkeit der Konkurrenz.
Mit der Gestaltung des Spiels hat sich der Verlag große Mü-he gegeben. Selten genug: Hier kann rundum das Auge wohl-gefällig mitspielen. Der Karton ist knubbelig schön, könnte vielleicht bei den ludographischen etwas klarer in der Informa-tion sein. Der Spielplan und das Spielmaterial ist ordentlich gestaltet, die Spielregel verständlich und präzise. Kein Wun-der, daß die Jury des Kritikerpreises "Spiel des Jahres" das Spiel "Metro" auf seine Auswahlliste gesetzt hat.
(Bernward Thole) "Metro" von Dirk Henn, Queen Games, für 2 bis 6 Spieler ab 8 Jahren
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