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Ming
Siebenstein Spiele, ein kleiner Verlag aus Münster, den der 40jährige Jürgen Reiche vor fünf Jahren gründete, hat es sich zur Aufgabe gemacht, taktische Brettspiele zu veröffentlichen, die ihren Ursprung in alten Kulturen haben. So beziehen sich die Spiele "Senet" und "Amasis" auf die ägyptische Mythologie, knüpfen an klassischen Spielbrettvorlagen an, andere Spiele haben ihren Ursprung in Mittelamerika. Mit der 99er-Herbstneuheit knüpft Reiche an chinesische Traditionen an.
"Ming" nennt der Autor sein Strategiespiel für zwei Personen, dem er Ähnlichkeiten zur chinesischen Schachvariante choo-hing-ki unterstellt. Wie beim Chinaschach geht es in "Ming" darum, den gegnerischen Kaiser zu schlagen. Gespielt wird auf einem 7x7 Felder großen Spielbrett mit jeweils 7 Spielfiguren, einem Kaiser, einem Mandarin, zwei Generälen und drei Mönchen. Reiches geniale neue Spielidee besteht darin, dass auf die Figuren Kugeln gesteckt werden, die die Zugweite festlegen. Der Rangunterschied ergibt sich ausschließlich aus der Länge der Stäbe, so kann eine Mönchfigur maximal zwei Kugeln tragen, der Kaiser aber fünf; 21 Kugeln stehen jedem Spieler zur Verfügung. Allein diese Grundidee bringt eine ganz neue Dynamik in die Schachvariante hinein. Zusätzlichen Pep gibt es dadurch, dass die Kugeln auch auf gegnerische Figuren gesetzt werden dürfen. So können diese sogar bewegungsunfähig gemacht werden. Im Spielablauf muss jeder Spieler zuerst eine eigene Figur bewegen, dann darf eine Kugel eingesetzt werden. Wird eine gegnerische Figur geschlagen, geht diese als Figur nicht verloren, es werden ausschließlich die Kugeln erobert; eigene behält man und darf sie wieder einsetzen, fremde gelten als erobert. Deshalb gewinnt ein Spieler nicht nur, wenn er den gegnerischen Kaiser schlägt, sondern auch dann, wenn er sieben Kugeln des anderen Spielers erobert hat. Diese eigentlich simple Idee mit den Kugeln gibt "Ming" eine ganz besondere Spieldynamik: Viel spannender kann ein Zweipersonenspiel gar nicht sein.
Reizvoll an den Produkten des Kleinverlags ist zusätzlich, dass alle Spiele nicht nur optisch etwas hermachen, sondern aus Naturprodukten hergestellt werden. Die meisten Spielmaterialien sind aus Holz gefertigt, ganz neu und sehr gut umgesetzt sind die Filzspielpläne, die die teureren Holzpläne ablösen und preisgünstigere Angebote ermöglichen. Nicht nur "Ming" ist eine Spieleperle, ein Blick auf das gesamte Angebot des Siebenstein-Verlages lohnt.
(Wieland Herold, Alfelder Zeitung) "Ming" von Jürgen Reiche, Siebenstein Spiele, für 2 Spieler ab 10 Jahren.
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