Port Royal

Piraten! Im 17. Jahrhundert trieb dieser Schrei noch manchem Seebären den kalten Angstschweiß auf die Stirn. Kein Wunder, wenn wir uns das Schachtelcover eines neuen Kartenspiels aus dem Hause Queen anschauen. Was sich in Port Royal, dem Freibeuter-Hafen auf Jamaica, an seltsamen Gestalten herumtreibt, ist einfach zum Gruseln. Womit wir schon mitten im Thema des Spiels von Wolfgang Panning wären. Zugeben, im Kern ist "Port Royal" ein Stichspiel. Schon wieder, möchte man meinen. Gibt's wirklich noch eine Variante, die noch nicht erfunden wurde? Es gibt sie, und wenn das Beiwerk stimmt, angereichert durch eine fantastische Grafik, dann kommt so etwas Geniales heraus wie "Port Royal". Jeder hat ein kleines Tableau vor sich liegen. Vier Schiffe sind zu sehen, ein jedes mit Laderaum für Tabak, Pulver, Rum und Zwieback. Dort hinein wandern die Beutekarten, von denen in jeder Runde neun ausliegen. Doch Vorsicht: Die Ladekapazität ist begrenzt. Wer allzu hohe Beutekarten hamstert, riskiert, dass sein Schiff mit Mann und Maus, vor allem aber mit der wertvollen Ladung, in den Tiefen des Meeres versinkt. An die Beutekarten kommen wir im Verlauf eines nicht ganz normalen Stichspiels. Wir spielen Karten aus, stechen oder trumpfen, und dürfen uns - falls wir mit der höchsten Karte übrig bleiben - eine Beutekarte schnappen. Vor der eigentlichen Stichrunde werden allerdings drei Privilegien versteigert Der Höchstbietende darf zwei von seinen Stichkarten auf der Hand austauschen. Er darf, was noch bedeutender ist, die Trumpffarbe bestimmen. Und er wählt einen Startspieler aus. Der bestimmt seinerseits, um welche Beutekarte es in der sich anschließenden Stichrunde geht. Die fürs Ersteigern der Privilegien eingesetzten Punkte erhalten wir wieder zurück, wenn wir eine eroberte Beutekarte opfern. Gelingt uns das nicht, nehmen wir eine Hypothek in die nächste Runde, ja sogar bis zum Spielende mit. Sechs Runden lang läuft "Port Royal" nach dem gleichen Schema ab. Wer glaubt, der Spielreiz hätte sich bald erschöpft, der irrt gewaltig. Das Spiel erfährt etwa nach drei von den sechs Runden eine dynamische Wende. War es anfangs unser Sinnen und Trachten, möglichst an die hohen Beutekarten zu kommen, wollen wir gegen Ende vielleicht nur noch kleine Werte oder vielleicht gar keine Beute mehr machen. Warum? Ganz einfach: Weil unsere Ladekapazität auf dem Schiff erschöpft ist, und die nächste Tonne Pulver, das nächste Paket Schiffszwieback uns untergehen lassen würde. Genial, wie die Spannung im Verlauf der Partie ansteigt. "Port Royal", auf der diesjährigen Auswahlliste der Jury "Spiel des Jahres", gehört zu den besten Kartenspielen dieses Jahrgangs. Dem Queen-Verlag ist mit diesem Spiel von Wolfgang Panning ein dicker Fisch ins Netz gegangen. Die Aufmachung ist zudem vom Feinsten. Zu meckern gibt es nur etwas am Preis: Weil der Verlag eine neue Schachtelgröße eingeführt hat, wurde das Spiel in eine überdimensionierte Kiste mit viel Luft gesteckt. Das wäre noch zu verschmerzen, würde diese Kiste nicht knapp 40 Mark kosten. Für ein Kartenspiel ist das ziemlich hoch gegriffen.

(Edwin Ruschitzka, Südwest Presse)

"Port Royal" von Wolfgang Panning, Queen Games, für 3 bis 4 Spieler ab 10 Jahren.