Ravensburger 1997

Ravensburger eröffnet die Spielesaison 1997

Wie jedes Jahr kommen die ersten neuen Spiele des Jahres von der Firma mit dem blauen Dreieck schon vor der Nürnberger Spielwarenmesse in die Läden. Ab der vierten Januarwoche kann man sich vor allem auf eine geniale neue Memory-Variante, die unter dem Titel DER ZERSTREUTE PHARAO herausgekommen ist, freuen. Die Ravensburger knüpfen mit diesem Spiel an das Niveau des VERRÜCKTEN Labyrinths an und haben endlich wieder einmal ein phantastisches Spiel für die ganze Familie herausgebracht.

Der Hamburger Gunter Baars zeichnet verantwortlich für die Schatzsuche unter 47 Pyramiden für zwei bis fünf Spieler ab 6 Jahren, laut Regel zwar erst ab 8 Jahren, aber Erstkläßler kommen schon gut klar mit dem Spiel. 48 Suchfelder, von denen 12 mit Schätzen bestückt sind, werden in dem Spiel Pharao mit 47 Plastikpyramiden abgedeckt. Ein Feld bleibt frei, so daß die Pyramiden verschoben werden können. Mit diesem Schiebemechanismus geht es auf Schatzsuche. Für drei Spielrunden gibt es Schatz- und Ereigniskarten. In der ersten Runde wird eine Karte aufgedeckt und der abgebildete Schatz muß durch Verschieben der Pyramiden gesucht werden. Stößt man bei diesem Suchvorgang auf einen anderen Schatz, ist der nächste Spieler an der Reihe, bis der Schatz der Suchkarte gefunden ist. Auf diese Weise bahnen sich die Spieler den Weg durch die Pyramiden-Landschaft und lernen die Lage der Schätze kennen. Der glückliche Finder erhält die Suchkarte, die Auskunft über den Wert des Schatzes gibt. In der zweiten Runde kommen Ereigniskarten ins Spiel, außerdem wird nach jeder erfolgreichen Schatzsuche der Pyramidenplan um 90 Grad gedreht. Da heißt es dann Übersicht bewahren und umdenken. Wer in der dritten Runde auf einen falschen Schatz stößt, ist sofort aus dem Spiel ausgeschieden. Das Spiel endet, wenn alle ausgeschieden sind oder eine Karte aufgedeckt wird, die das Spiel-Ende anzeigt. Der Spieler mit den wertvollsten Schätzen gewinnt das Spiel. Alle, die dachten, die Memory-Idee sei ausgereizt, werden mit dieser Ravensburger-Neuheit eines Besseren belehrt. Diese Schatzsuche macht süchtig und garantiert bei einer Spieldauer von gut 30 Minuten viele Wiederholungsrunden.

Das eigentliche Spitzenspiel der Ravensburger sollte wahrscheinlich SHANGHAI werden. Ein Versteigerungsspiel des bekannten amerikanischen Spielautors Sid Sackson. Ausgestattet mit 1200 Shanghai-Dollar versuchen drei bis sechs Spieler ab 12 Jahren an Informationen heranzukommen, die sie in die Nähe einer herrenlosen Dschunke bringen, die im Ostchinesischen Meer treibt. Das Spiel ist optisch hervorragend produziert, der Versteigerungsmechanismus, um an die Informationen zu kommen, ist ebenfalls reizvoll. Trotz der guten Spielatmosphäre entsteht im Spielablauf kein besonderer Spielreiz. Vieles hängt sehr glücksabhängig von sogenannten Zielortkarten ab. Am Ende weiß der Sieger meist gar nicht so recht, weshalb gerade er gewonnen hat. Ein unnötiges Spiel, von dem man bei einem Preis von 59.- DM tunlichst die Finger lassen sollte.

Licht und Schatten gibt es auch in der kleinen Kartenspielserie, wobei die Spielequalität der beiden Spiele FIASKO und For Sale nicht so weit auseinanderliegt wie bei den beiden großen Ravensburger Spielen. Fiasko von Reinhard Staupe basiert auf dem schon oft benutzen Sammel-Prinzip: Nehme ich noch eine Karte oder laß ich die Finger davon? Das Aufnehmen einer Fiasko-Karte hat nämlich zur Folge, daß alle bisher gesammelten Karten abgelegt werden müssen. Ein einfaches, nicht reizloses, aber auch nicht weltbewegendes Spiel.

Viel besser gefällt mir das zweite Spiel FOR SALE des Hannoveraners Stefan Dorra, der sich in den letzten drei Jahren in die Spitzengruppe der deutschen Spieleautoren hochgearbeitet hat (LINIE 1, INTRIGE). FOR SALE ist ein raffiniertes Versteigerunsspiel, das über zwei Runden läuft. Für die erste Versteigerungsrunde hat jeder der drei bis fünf Spieler 15 Chips zur Verfügung, mit denen Gebäudekarten im Wert von 1 Million bis 20 Millionen ersteigert werden. Der besondere Reiz liegt darin, daß jeder der vorher aus der Versteigerungsrunde aussteigt, die Hälfte seines Geldes zurückerhält und nur der letzte, der dann auch die wertvollste Gebäudekarte erhält, sein ganzes Geld abgeben muß. In der zweiten Spielphase werden dieser Häuser verkauft, wobei man tunlichst vermeiden sollte, ungedeckte Schecks zu bekommen. Ein schnelles und preisgünstiges kleines Kartenspiel, das eine Menge Spielspaß bringt.

(Wieland Herold)