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Sauerbaum
Baumsterben durch sauren Regen. Ein trauriges, überlebenswichtiges Thema unserer Zeit. Sich mit ihm zu beschäftigen, kommt auch der Homo ludens schon lange nicht mehr umhin.
Im Spiel - natürlich. Denn spielen heißt ja nicht, ein Thema nicht ernst zu nehmen. Umgekehrt. Und außerdem: Spiele befördern das Denken (Leibniz). Warum nicht auch das Nachdenken? Versuche, die fortschreitende Umweltzerstörung im Spiel zu thematisieren, gibt es seit den 80er Jahren schon in beachtlicher Zahl. Nur bleiben leider allzu oft Spielspaß und Spannung auf der Strecke, von der Botschaft des Spiels glatt erdrückt. Ganz anders bei Sauerbaum von Johannes Tranelis, das 1988 von der Jury "Spiel des Jahres" mit dem bislang erst einmal vergebenen Sonderpreis Kooperatives Familienspiel ausgezeichnet worden ist. Und dies aus gutem Grund. Denn dem leider Ende vorigen Jahres viel zu früh verstorbenen Autor ist es auf beeindruckende Weise gelungen, die sonst allein auf ihren Eigennutz bedachten Spieler zu kooperativem Verhalten anzuleiten. Nicht künstlich aufgesetzt, sondern in der Spielmechanik selbst angelegt. Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Sauerbaum ist kein Simulationsspiel. Das ist Monopoly als Wirtschaftsspiel ja schließlich auch nicht. Ein stilisierter Tannenbaum wird von einer Wolke voller Tropfen sauren Regens bedroht, die nach und nach auf ihn abregnen. Aufgabe der 3 - 7 Spieler ist es, die durchs Geäst perlenden Tropfen aufzusammeln, bevor sie das Wurzelwerk erreichen. Gelingt dies nicht, ist das Spiel für alle verloren. Im anderen Falle wird der erfolgreichste Tropfensammler zum "Retter des Baumes" gekürt. Ein großer blauer Würfel gibt die Zahl der fallenden Tropfen vor, während drei kleine grüne Würfel die Zugweite der Spielfiguren bestimmen. Aufgelesen werden nur solche Tropfen, die man am Ende eines Teilzuges erreicht. Da Regentropfen nicht übersprungen werden dürfen, kann es bei einem kräftigen Schauer leicht passieren, daß eine oder mehrere Figuren eingeschlossen werden. Sie nicht zu lange im Regen stehen zu lassen, sondern möglichst bald wieder zu befreien, erweist sich für die anderen sehr schnell als unabweisbar, um der sauren Flut noch rechtzeitig Herr werden zu können. Sauerbaum ist ein echtes Familienspiel, an dem selbst Achtjährige schon sinnvoll teilnehmen können, ohne daß Erwachsene sich unterfordert fühlen. Ursprünglich hatte Johannes Tranelis es im Eigenverlag herausgebracht, mit einem Skaiplan in der Pappröhre. Dann war es viele Jahre beim Herder-Verlag als klassisches Schachtelspiel im Programm. Jetzt hat der Zoch-Verlag eine optisch äußerst reizvolle Holzausgabe vorgelegt. Es war dem Autor wenigstens vergönnt, deren Erscheinen auf der Spiel '97 in Essen noch erlebt zu haben. (L.U. Dikus)
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