
|
Ta Yü
Manche suchen beim Spielen Action, andere wiederum nehmen es ruhiger. Für solche Spielcharaktere sind Legespiele besonders empfehlenswert. «Ta Yü» zeigt, was in dieser unscheinbaren Gattung alles steckt.
Man kann die Geschichte, die hinter dem neuen Kosmos-Spiel steckt, glauben oder nicht. Vielleicht stimmt sie, vielleicht auch nicht. Aber wer kümmert sich um solche Dinge, der ein unterhaltsames Spiel sucht. Die Hauptsache ist, das Produkt ist in sich stimmig, logisch im Ablauf, reizvoll, herausfordernd und spannend bis zum Ende. Ta Yü also, der dem Spiel den Namen gegeben hat, soll eine chinesische Sagengestalt gewesen sein. Er machte sich um sein Volk verdient, weil er das Reich der Mitte vor einer Sintflut rettete. Allerdings baute er nicht wie der Noah der Bibel eine Arche, sondern durchzog das Land mit einer ganzen Reihe von Kanälen. Auf diese Weise versuchte er, die riesigen Wassermassen aus dem Inneren des Landes ins weite Meer abzuleiten. Die Fortsetzung kann man leicht erraten: In «Ta Yü» geht es darum, das Werk des chinesischen Helden spielerisch nachzuvollziehen, das heisst Kanäle zu bauen. Die Spieler versuchen dabei, von einem zentralen Stein in der Mitte möglichst viele Mündungen ins Meer zu bauen, und zwar jeweils zu den einander gegenüberliegenden Küsten. Was in «Ta Yü» auf den ersten Blick auffällt, sind die 112 Spielsteine, mit denen die Kanäle gezogen werden. Sie sind aus hochwertigem Kunststoff gefertigt. Ihre Form erinnert bewusst an die Steine eines aus China stammenden Spiels, das auch hierzulande eine große Zahl von Anhängern gefunden hat, an Mah-Jongg. Im Spiel gibt es 28 verschiedene Steine, die je viermal vorhanden sind. Sie unterscheiden sich nach Anzahl und Lage der Mündungen. Die «Ta Yü»-Regeln sind schnell erklärt, das Spielprinzip transparent. Wer an der Reihe ist, nimmt einen verdeckten Stein vom Vorratsblock und erweitert damit das Kanalnetz auf dem Spielbrett. Dass man dabei versucht, für die eigene Partei eine möglichst gute Ablage zu machen, versteht sich von selbst. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, denn die Gegnerinnen und Gegner möchten ja für ihr Land auch viel herausholen und in dieser (letztlich guten) Absicht ihr Netz optimal gestalten. So kommt man einander vor allem gegen den Schluss schön ins Gehege, was ja auch der Sinn des Spiels ist. «Twixt»-Spieler können ja ein Lied von den Heimtücken dieser Spielegattung singen. Einfaches und klares Spielprinzip, schönes Material - das ist typisch für den Autor von «Ta Yü», Nicolaas (Niek) Neuwahl. Es ist erstaunlich, wie es ihm immer wieder gelingt, mit einem minimalen Aufwand schöne Spielerlebnisse und intellektuelle Herausforderungen hervorzuzaubern. Autoren, die meinen, ein gutes Spiel sei nur möglich, wenn hier noch ein Element hingepflastert und da noch eine Idee verbraten werde, sollten bei ihm ein wenig in die Schule gehen. (Synes Ernst, Apero der Luzerner Zeitung, 6 Mai
|