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Top Hats
Dachte man im letzten Jahr schon, graphisch ginge es mit Piatnik nun endlich aufwärts, so wurde man in diesem Jahr bitter enttäuscht – es war beinahe wie in den schlechtesten Zeiten. Zwar zählt "Top Hats" nicht zu den absoluten Negativlights – das ist ohne Zweifel "Bronco" –, aber gerade wohl ist einem auch nicht, wenn man das Titelbild länger ansieht. Also aufgemacht die Schachtel.
Darin erwarten einen ein mit Sechsecken überzogener Spielplan – die dämlichen Herren des Covers sind auch hier vertreten, aber zum Glück viel dezenter – und 46 kleine schwarze Plastikzylinder (mit Zylinder ist hier der Hut gemeint), die vor der ersten Partie noch mit Klebepunkten in drei Farben versehen werden müssen, bis auf einen. Dann erhält jeder Spieler einen Satz dieser Hüte und gibt an seine beiden Nachbarn je drei davon weiter (das gilt bei 3 Spielern; sind es nur zwei, dann gibt jeder dem anderen 6 seiner eigenen Hüte). Mit diesen und den eigenen Hüten bildet nun jeder Spieler 5 Stapel aus je drei Hüten, wobei der oberste jedes Stapels jeweils die eigene Farbe tragen muß. Ist dies geschehen, so werden nun die Stapel reihum auf dem Spielplan plaziert, wo der eine Zylinder, der keinen Klebepunkt bekommen hat, bereits in der Mitte aufgestellt wurde. Sind schließlich alle Stapel eingesetzt, beginnt nun das Ziehen. Man darf einen seiner Stapel entweder ein Feld weiterbewegen, aber nicht auf eines der Randfelder oder man darf wie bei Halma springen (auch Kettensprünge sind erlaubt). Dabei wird von jedem der Stapel, die man überspringt, der oberste Hut entfernt. Wichtig in diesem Zusammenhang, daß Sprungzwang besteht, d.h. wenn man eine Sprungmöglichkeit hat und sei es über einen eigenen Stapel, dann muß man sie nützen. Ob man dann auch noch weitere Stapel überspringt, ist einem aber freigestellt. Wie oben schon erwähnt, darf beim Ziehen die Randzone nicht betreten werden. Diese darf nur durch einen Sprung betreten werden, muß aber, falls nicht irgendwo anders eine Sprungmöglichkeit besteht, im nächsten Zu sofort wieder verlassen werden. Eines habe ich noch nicht erwähnt, aber das dürfte ohnehin klar sein: Durch das Überspringen von Stapel und das Wegnehmen der obersten Hüte können die Besitzer der Stapel wechseln. Ja es kann sogar passieren, daß man zeitweise überhaupt keinen Stapel besitzt, aber nicht ausgeschieden ist, weil irgendwo noch eigene Hüte warten. Die Randzone kann übrigens im Endspiel, wenn nur noch 5 oder weniger Stapel und/oder Einzelhüte im Spiel sind, erweitert werden, um so den Spielplan zu verkleinern. Mit dem Ende des Spiels ist es jetzt so eine Sache und damit sind wir bei einer zweiten Schwäche von Piatnikspielen, der Spielregel: Wörtlich steht dort geschrieben: "Solange nur noch Hüte eines Spielers auf dem Spielplan sichtbar sind, hat dieser Spieler gewonnen". Man stutzt zunächst, liest nochmals und fragt sich, was das soll. Langsam dämmert es einem, wie es gemeint sein könnte – man ersetzt "Solange" durch "Sobald" –, aber ganz sicher ist man noch nicht. Doch zum Glück hat man bei Piatnik die Kurzspielregel eingeführt, die immer wieder korrigierend eingreift. Ich erinnere mich noch mit Schaudern an "" im letzten Jahr, wo nur durch intensives Studium von Spielregel, Kurzspielregel und Text auf der Schachtelrückseite das Spiel einigermaßen verständlich wurde. Auch hier ist es so, ja man braucht nicht einmal die Schachtelrückseite: Ein kurzer Blick unter Spielende und man liest es schwarz auf weiß: "Sind nur noch Hüte einer Farbe auf dem Spielplan zu sehen, hat dieser Spieler gewonnen": Na also! Warum das aber nicht gleich geht, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben. "Top Hats", übrigens vom jungen Venezianer Leo Collovini, ist also eine Halmavariante, die aber auch an Hexentanz erinnert, jenes furchtbare Spiel, bei dem man nach ein paar Zügen nicht mehr weiß, wo die eigenen Hexen stehen. Ähnlich ist es uns auch hier gegangen. Nach ein paar Zügen hatten wir zwar noch immer unsere Hüte im Blick, denn die Klebepunkte sind ja sichtbar, aber in welchem Stapel nun welche und wie viele fremde Hüte stecken, das war zuviel für uns. Ja und wo die eigenen Hüte versteckt waren, nun da brauchten wir uns gar nicht zu genieren, das konnten wir ja gar nicht wissen. Und so wurde mehr oder weniger planlos hin- und hergezogen, möglichst viel gesprungen, denn jeder Sprung befördert fremde Hüte ins Jenseits. Gegen Ende hin wird es dann auch ein wenig taktisch, denn da kommt es oft darauf an, nicht in Zugzwang, d.h. Sprungzwang zu gelangen, aber so richtig gereizt hat mich die ganze Sache nicht. Es geht zur Not, möchte ich sagen und wäre die Schachtel nur halb so groß und hoch, dann wäre auch die Not entsprechend kleiner. So aber bleibt ein schales Gefühl. (Helmut Wresnik) "Top Hats" von Leo Collovini, Piatnik, für 2 oder 3 Spieler ab 8 Jahren
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