Top Race

Irgendwann war es so weit. Unser geliebtes Formel 1 - Spiel war schlicht zu Tode geliebt. Die Karten völlig zerfleddert. Es genügte, die Rückseite zu sehen und schon wußte jeder, was der Mitspieler auf der Hand hatte. Ersatz war allerdings nicht aufzutreiben, denn die Auflage war vergriffen. Zwar gab es dann einen zweiten Aufguß. Da war wohl die Graphik besser, aber das Spiel war kaputt. Statt eines Redakteurs war ein inkompetenter Pfuscher darüber hergefallen und hatte alles so verschlimmbessert, daß man das Spiel nur noch ad acta legen konnte. Das Original, die erste Auflage, geriet in Sammlerkreisen dadurch rasch zum Objekt der Begierde.
Nun, zwei Jahrzehnte später, gibt es dieses wundervolle Spiele wieder. Nicht in der kaputten Zweitauflage, sondern ganz nahe am Original. Verbessert, aber diesmal fachkundig und mit einem originellen, neuen Pfiff.

Top Race / Formel 1 ist ein Autorennen. Jeder Spieler schlüpft in die Rolle eines Rennstallmanagers, der Geld, viel Geld machen möchte. Zuerst bekommen die Mitspieler Tempokarten auf die Hand. Sie zeigen meist mehrere Boliden mit einer Zugweite von einem bis zu sechs Schritten. Da geht zum Beispiel zuerst der weiße Renner sechs Felder, dann der grüne vier, der blaue drei und schließlich der rote einen Schritt. Diese Karten sieht man sich sorgfältig an, weil sie die Grundlage für die nun folgende Ersteigerung von einem oder auch mehreren Rennautos ist. Natürlich macht man nur Jagd auf solche Flitzer, für die man viele Zugpunkte besitzt.

Wer einen Rennwagen ergattert hat stellt ihn am Start auf. Reihum spielt dann jeder eine seiner Zugkarten und bewegt alle Autos in der Reihenfolge, wie sie von oben nach unten auf der Karte abzulesen sind. Diese Abfolge ist wichtig, weil man damit den Rennverlauf ganz schön beeinflussen kann. Die Piste hat nämlich einige Flaschenhälse. Wenn die Bahn an diesen Engstellen verstopft ist, so müssen die nachfolgenden Wagen hinter der Blockade bleiben, wobei die ausgespielten Zugpunkte verfallen. Jeder versucht damit, das eigene Fahrzeug möglichst weit vorwärts zubringen. Weil manche Karten sogar alle Autos bewegen wählt man möglichst solche Karten, bei denen gegnerische Renner trotz hoher Punktzahlen kaum vom Fleck kommen. Das ist höllisch spannend. Wer als erster über die Ziellinie geht kommt oben auf das Siegertreppchen und kassiert die ganz fette Prämie. Beim zweiten fällt schon ein Viertel weg, aber das Ergebnis ist immer noch recht ansehnlich. Für den letzten allerdings bleibt nur ein kärgliches Almosen übrig.

Neu an dem Spiel ist die sogenannte Profiversion. Sobald der vorderste Wagen über eine gelbe Linie auf der Piste zieht, gibt jeder Spieler einen Tip ab, welche Farbe das Rennen machen könnte. Insgesamt muß jeder drei Tips notieren. Nach Spielende wird mit dem tatsächlichen Einlauf verglichen. Das kann ein ganz ordentliches Zubrot bringen, den Spieler aber auch, wenn er daneben liegt, ordentlich in die Pfanne hauen, weil er dann an die Kasse bezahlen muß. Auch das ist höllisch spannend.

Die Spielregel ist erfrischend bildhaft und einfach, die Spielautos zwar leider aus Plastik, aber gut unterscheidbar und funktional, die Karten ordentlich, der Plan klar und übersichtlich. Den Spielplan allerdings hätte man leicht zweimal falten und dann das ganze Spiel in eine halb so große Schachtel packen können. Die meisten Spielehersteller scheinen dem Illusionsbild nachzurennen, den Preis mit einer großen Schachtel rechtfertigen zu müssen. Dabei geht es doch gar nicht um das Verhältnis zwischen Verkaufspreis und Kartonagenvolumen, sondern nur darum, ob der Spielwert die Ausgabe rechtfertigt. Und das ist gerade bei diesem Spiel allemal der Fall.

(Tom Werneck)

"Top Race" von Wolfgang Kramer, Redakteur: Christian Beiersdorf, Gestaltung: DesignStudio und Wollinsky & Partner, Fotos: Ferdi Krähling; ASS-Spiele, Fasanenweg 5, 70771 Leinfelden, Tel: 0711 / 7599-0, Fax: 0711 / 7599-242, 2 bis 6 Spieler (je mehr desto besser!)


"Niki Lauda's Formel 1" hieß 1980 ein Autorennspiel, das sehr schnell zum Geheimtip und vielgesuchten Spiel wurde, nicht zuletzt deshalb, weil in der zweiten Auflage total geschlampt worden war. Zur Freude vieler ist das Original nun als "Top Race" wieder erhältlich.
Sechs Rennautos werden zu Beginn versteigert, wobei man dazu sehr genau die zuvor verteilten Rennkarten studieren sollte. Diese zeigen ein bis sechs der Autos, die beim Spielen der Karte zwischen 1 und 10 Felder weitergezogen werden. Sind mehrere Boliden auf der Karte abgebildet, so müssen sie in der angegeben Reihenfolge gezogen werden. Es ist aber durchaus reizvoll und eröffnet weitere taktische Möglichkeiten, diese Regel auch mal wegzulassen.

Auch der Rennkurs hat seine Tücken, da er sich an zwei Stellen auf nur eine Spur verengt. Und dann nützt einem selbst eine 10 nichts, wenn ein anderes Fahrzeug die Straße blockiert. Dies ist aber andererseits die perfekte Gelegenheit, gute Karten für fremde Autos wirkungslos auszuspielen.

Haben alle das Ziel erreicht, werden die Siegesprämien ausbezahlt und wer nach drei Rennen das meiste Geld erfahren hat, gewinnt.

"Top Race" entspricht, wie schon erwähnt, dem Original und kann daher uneingeschränkt empfohlen werden. Es wurde sogar noch eine Wettmöglichkeit eingeführt, bei der man auf das Siegerauto tippen und so noch zusätzliches Geld gewinnen aber auch verlieren kann. Puristen werden diese reizvolle Erweiterung aber selbstverständlich weglassen.

(Helmut Wresnik)

"Top Race" von Wolfgang Kramer, ASS, für 2 - 6 Spieler ab 8 Jahren.