
|
Tycoon
Seit Urväterchen Monopoly hat es nie an Vesuchen gemangelt, Aspekte des Wirtschaftslebens im Spiel einzufangen. Doch selbst so brillante Entwürfe wie etwa "Schoko & Co" (Schmidt Spiele), "McMulti" (Hexagames) oder jüngst auch "Playboss" (Ravensburger) haben, den Gesetzen des Spielemarktes gehorchend, nach meist nur wenigen Jahren das Feld wieder räumen müssen. In diese Lücke stößt jetzt "Tycoon" (Jumbo), das den Vergleich mit seinen großen Vorläufern nicht zu scheuen braucht.
2 - 4 Manager jetten um die ganze Welt, um in verschiedenen Städten Hotels und Fabriken zu bauen. Das Startkapital ist äußerst knapp bemessen, so daß sich die Aufnahme von Krediten schon nach wenigen Runden nicht vermeiden läßt. Und die Zinsen sind derart hoch, daß sie die anfangs noch recht bescheidenen Einnahmen gleich wieder weitgehend auffressen. Wer nicht wertvolle Zeit für die spätere Aufnahme weiterer Kredite verlieren will, wird deshalb gern von der Möglichkeit Gebrauch machen, die Laufzeit zu verlängern. Auch wenn die Zinslast dadurch noch einmal schmerzlich erhöht wird. Dafür kann man seine Rundreise per Charterflug ungestört fortsetzen und braucht nicht nach einem Besuch der Hausbank mittels eines teuren Linienflugs in die Arena zurückzukehren. Die jeweils längste Hotelkette in einer Stadt bringt auch die höchsten Einnahmen. Der Zweitplazierte bekommt schon nur die Hälfte, alle anderen gehen leer aus. Klar, daß da jeder die Nase vorn haben will. Doch ab einem Punkt entsteht ein Überangebot, und die Preise fallen in den Keller. Auch der Zeitpunkt für den Bau von ein oder zwei Fabriken will gut gewählt sein. Zu früh errichtet, sind sie totes Kapital, das die Liquidität belastet. Doch dann ist auf einmal kein Bauplatz mehr frei, und andere streichen die Gewinne ein. In die Planungen miteinbezogen sein will auch, daß der Verbreitungsgrad in möglichst vielen Städten noch gesondert honoriert wird. Und manche Reise wird nur deshalb nötig, um früher errichtete Hotels zu renovieren und dadurch wieder in die Wertung zu bringen. Alle genannten Parameter und noch ein paar Details mehr sind derart intelligent aufeinander abgestimmt, daß man immer wieder bewundernd innehält, um den beiden Autoren Respekt zu zollen. Während der eine, Horst-Rainer Rösner, noch ein völlig unbeschriebenes Blatt ist, kann der andere, Wolfgang Kramer, als dreimaliger Spiel des Jahres -Preisträger bereits auf ein großes Werk mit ein paar Dutzend Titeln zurückschauen. Mit "Tycoon" haben die beiden eine Gemeinschaftsarbeit abgeliefert, deren spielerisches Potential wohl unerschöpflich sein dürfte. Und obschon auch der Ladenpreis von etwa 54 DM stimmt, ist zu befürchten, daß auch dieses Wirtschaftsspiel über kurz oder lang das Schicksal seiner großen Vorläufer wird teilen müssen. Ein Grund mehr, sich beizeiten ein Exemplar davon zu sichern. (Jopchen Corts)
|