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Venice Connection
'Schönheit' ist allenfalls ein Frage des persönlichen Geschmacks. Gut so, denn wenn alle Menschen denselben Geschmack hätten, sähe unsere Welt wohl um einiges trostloser aus.
Und so kann es auch nicht verwundern, daß sich die Journalisten und Spielekritiker der Jury 'Spiel des Jahres' in diesem Jahr stärker als je zuvor erklären mußten, was sie denn wohl bewogen hätte, das Spiel VENICE CONNECTION mit der Auszeichnung 'Spiel des Jahres 1996 - Sonderpreis für das Schöne Spiel' zu belohnen.
Und in der Tat, an VENICE CONNECTION trennen sich die Geschmäcker. Die Gestaltung des kleinen Zweipersonenspiels besitzt gewiß andere Eigenschaften als schön im Sinne von 'hübsch' oder 'glanzvoll' zu sein. 'Originell', 'stimmig', 'gestalterisch harmonisch' treffen wohl eher ins Schwarze. Verantwortlich für dieses Spiel sind der Grafiker Johann Rüttinger und der Altmeister unter den Spieleautoren Alex Randolph. Beide haben in das Spiel viel persönliches einfließen lassen. So ist es zum Beispiel gedruckt auf ein Spezialpapier, das aus venezianischen Algen hergestellt wurde und auf dem der zweifarbige Druck bewußt blass und fast schüchtern wirkt. Materialwahl und Spielthema begründen sich in der Wahlheimat des Weltbürgers Alex Randolph, der inzwischen seit vielen Jahren in Venedig lebt. Das Spiel selber ist recht einfach und besteht aus sechzehn beidseitig bedruckten quadratischen Plättchen, welche die venezianischen Wasserstraßen aus der Vogelperspektive zeigen. Auf der Vorderseite ist jeweils eine Gerade, auf der Rückseite immer eine Kurve abgebildet. Aufgabe der zwei Spieler ist es nun, abwechselnd ein bis drei Plättchen anzulegen, daß sich möglichst ein geschlossener Kanalring ergibt. Wem das gelingt, hat gewonnen. Aber Vorsicht! Legt jemand ein Plättchen, durch das eine Ringbildung mit den verbleibenden Elementen unmöglich wird, gewinnt der Gegenspieler. Ein kleines verflixtes Legespielchen mit Niveau, das einige strategische Möglichkeiten hat. Doch man muß diese Art Spiel schon mögen, denn vom Ablauf her ist VENICE CONNECTION recht dröge, trocken und spartanisch - ebenso wie die Gestaltung und insofern wieder ausgesprochen stimmig. Ein wirklich 'schönes' Spiel. (Andreas Mutschke, Westfälischer Anzeiger) VENICE CONNECTION, für 2 Spieler ab 10 Jahren, Drei Magier Spiele ca. 20,-
Legespiele haben etwas Besonderes an sich: Aus dem Nichts entsteht im Verlauf des Spiels ein vollständiges Bild. "Venice Connection" ist in dieser Hinsicht sehr attraktiv, weil sich hier die Lagunenstadt langsam entwickelt. "Ein total veralextes strategisches Legespiel" lautet der Untertitel zu "Venice Connection". Spielerinnen und Spieler, die nicht gerade vierhundertprozentig in der Szene zuhause sind, können mit dieser Bezeichnung wohl nicht sehr viel anfangen. "Ein total verzwicktes Legespiel" wäre da vermutlich nützlicher gewesen. Nun, das kleine Rätsel, das das Gestaltungsteam um Johann Rüttinger dem Publikum ist einfach zu lösen: "Veralext" bezieht sich auf den Autor des Spiels, Alexander Randolph, für den er schon mehrere Titel graphisch umgesetzt hat. Gleichzeitig signalisiert das Eigenschaftswort, das es sich hier um ein Spiel handelt, das für Randolph besonders typisch ist. Dieser hat sich, seit er Spiele entwickelt, immer wieder intensiv mit dem Problem der Sprünge, Ketten und Linien auseinandergesetzt. Viele seiner Spiele drehen sich um die Frage: Wie verbinde ich am schnellsten zwei Punkte miteinander, ohne dass mir meine Mitspieler in die Quere kommen? Ausprobieren kann man dies an Randolphs Klassiker "Twixt"(zuletzt Klee) und in dessen Weiterentwicklungen "Würmeln" (Blatz) und "SiSiMiZi" (eg). Besonders schön ist das Legeprinzip meines Erachtens aber in "Venice Connection" durchgezogen, und zwar in doppelter Hinsicht: Erstens vermitteln Material und Gestaltung den Inhalt des Spiels in perfekter und gleichzeitig diskret-zurückhaltender Art und Weise, die das Spiel nicht erdrückt - langsam entsteht die Lagunenstadt Venedig, in der Autor Alexander Randolph übrigens seit längerem lebt. Zweitens bietet "Venice Connection" genau die Herausforderung, die Fans von Legespielen wünschen - Taktik, Planung und ein gewisses Vorstellungsvermögen, das sagt, wie sich das Bild im Verlauf des Spiels entwickeln wird.
"Venice Connection" ist leicht verständlich: Mit den 16 beidseitig bedruckten Karten, auf denen je ein gerades oder ein gebogenes Stück Kanal abgebildet ist, muss man versuchen, einen durchgehenden Kanal zu bilden, wobei nicht alle Karten verwendet werden müssen. Wer an der Reihe ist, darf eine, zwei oder drei Karten auf den Tisch legen. Wer das letzte Verbindugnsstück einsetzen kann, hat gewonnen. Wie alle Legespiele ist "Venice Connection" ein ruhiges, eher unauffälliges Spiel. Wer beim Spielen Action sucht, lasse die Hände lieber davon. Wer aber auch ein ästhetisches Vergnügen sucht, der hat hier ein kleines Bijou. (Synes Ernst) Titel: "Venice Connection", Autor: Alexander Randolph, Gattung: Taktisches Legespiel für zwei Personen ab 10 Jahren, Bezugsquelle: Erhältlich zum Preis von DM 19.90 beim Verlag Drei Magier Spiele, Mühlenstrasse 10, D-91486 Uehlfeld, Tel. 0049 9163 99990.
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