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Visionary!
Ein Blick in alte Spielebücher erweist es: Spiele mit verbundenen Augen erfreuten sich schon immer großer Beliebtheit. Ich denke, die Spielregeln von "Blindekuh" braucht man weder Erwachsenen noch Kindern zu erklären. Und jeder wird sich auch an das "Eselspiel" erinnern, das in Kindergärten und auf Kindergeburtstagen gern gespielt wird.
Der Rumpf eines Eselkörpers wird aus Packpapier ausgeschnitten und an einer Wand befestigt. Nun geht es darum, dem armen Esel mit verbundenen Augen auch noch Schwanz, Kopf, Ohren und auch Beine anzumontieren. Das Ergebnis erweckt immer wieder Jubel und Heiterkeit. Diese und andere Spiele haben Ron Dubren inspiriert und ihm die Idee für ein aufregendes Aktionspiel vermittelt. Spielgrundlage sind 12 kleine Holzklötzchen mit unterschiedlichen Formen und Größen: Quader, Dreiecke, Säulen. Jedes Team bestimmt aus seiner Runde einen "Konstrukteur", der mit verbundenen Augen diese Klötzchen zu einem kleinen Bauwerk aufeinander schichten muß. Wie dieses Bauwerk auszusehen hat, ist auf Kärtchen vorgegeben. Da gibt es einfache Gebilde: zwei rechteckige Holzbausteine senkrecht, einer quer und obendrauf vielleicht ein oder zwei Säulen. Mehrstöckige Konstruktionen sollte man weder Kindern noch Erwachsenen mit einem gewissen Alkoholpegel zumuten. Ohne die exakten Anweisungen seines Teams könnte der Konstrukteur weder das leichte noch gar ein dreistöckiges Gebilde schaffen. Und alsbald macht sich bei allen Beteiligten die Erkenntnis breit: Es ist beinahe genauso schwierig, die richtigen Anweisungen zu geben, wie auch ihnen beim Bauen selbst in präziser Weise zu folgen. Als ob das nicht schon reichte, gibt die Spielregel noch zusätzlich Schwierigkeiten beim Bauen vor. So darf der Konstrukteur immer nur mit einer Hand arbeiten und nicht etwa mit der anderen die bereits stehenden Teile festhalten. Er darf auch immer nur einen Baustein aufnehmen und beim Auflegen nur ein Bauelement berühren. Schon als Kind hatte ich das Gefühl, daß es verdammt schwer ist, einem Kranführer die richtigen Signale zu geben, damit er eine wertvolle Fracht genau auf dem vorbestimmten Platz im Schiffsrumpf absetzt, den er von seiner Steueranlage aus gar nicht sehen kann. Hier bei "Visionary" wurde ich an dieses Kindheitserlebnis im Hamburger Hafen erinnert und konnte es am eigenen Leib nachvollziehen. Visionary-Anfänger sollten das vor dem ersten Spiel zunächst einmal mit drei oder vier Bauelementen trainieren, bevor sie an schwierigeren Konstruktionen herantrauen oder gar gegen die Uhr zum Wettbewerb gegen andere Teams antreten. Dann wird das ganze absolut hektisch. Jeder gibt im Eifer des Gefechts andere Anweisungen, weil er glaubt, er kann das viel besser als die Teamkollegen. Hinzu kommen dann auch noch die lauten Rufe und Kommandos des anderen Teams. Und schließlich hat man es doch geschafft und es fehlt nur noch ein einziges Klötzchen. Doch plötzlich schwankt das Ganze - und stürzt zusammen. Alles muß wieder von vorn begonnen werden. Grauenhaft!! "Visionary"-Runden verlaufen stets ungeheuer turbulent und lautstark. Hier ist gleichzeitig große Konzentration, gute Nerven und eine ruhige Hand gefordert. Wirklich ein aufregendes Spiel, das da im letzten Jahr einen Platz auf der Nominierungsliste zu Kritikerpreis "Spiel des Jahres" gefunden hat. (Bernward Thole)
Was ist ein 'kommunikatives Geschicklichkeitsspiel'!? Nun, VISIONARY, eine Spieleneuheit aus dem Schmidt Spiele-Verlag darf sich durchaus so nennen, denn wie geschickt sich der einzelne Spieler hierbei anstellt, das hängt sehr davon ab, wie gut er mit den übrigen Spielern aus seinem Team kommunizieren kann. Zwei Teams spielen gegeneinander und dabei geht es darum, möglichst schnell ein abgebildetes 'Bauwerk' aus zwölf Holzelementen wie Quadern, Säulen und Klötzchen zu errichten. Ganz einfach? Im Grunde schon, aber die Sache hat einen entscheidenden Haken: der Baumeister arbeitet mit verbundenen Augen und ist in der Positionierung der einzelnen Bauelemente ausschließlich auf die Kommandos seiner Mitspieler und sein eigenes Fingerspitzengefühl angewiesen. Ältere Spieler erinnern sich vielleicht noch an Vico Torrianis Goldenen Schuß. Nicht daß er hier Pate gestanden hat, aber gewisse Ähnlichkeiten gibt's schon: "...höher, langsam höher, noch ein bißchen, zu weit!!, etwas tiefer, jetzt nach rechts...." und so weiter. Was die Sache zusätzlich erschwert ist die Tatsache, daß in einer größeren Gruppe der Baumeister seine Anweisungen nicht nur von einem Spieler erhält, sondern alle Mitspieler des Teams gleichzeitig auf ihn einreden. Es wird viel geredet, aber auch viel gelacht, was bei einem Spiel gewiss die Hauptsache ist. Interessant ist es allemal, zu beobachten, wie ungenügend bei vielen Menschen die Fähigkeit ausgebaut ist, sich in einer hektischen Situation klar und verständlich auszudrücken. Kommandos wie "Zurück", "weiter zur Seite" oder auch "rechts" oder "links" können von dem 'Blinden' durchaus mißverstanden werden, was dann fatale Folgen haben kann. Und so erfährt man so ganz nebenbei, wie hilflos sich ein tatsächlich blinder Mensch wohl fühlen muß, wenn er gutgemeinte, aber schlicht falsche verbale Hilfen der 'Sehenden' erhält. VISIONARY ist in erster Linie ein fetziges Partyspiel, das Spaß machen soll und diesem Anspruch wird das Spiel voll gerecht, wenn man es nicht allzu verkniffen spielt, denn häufig muß man großzügig ein Auge zudrücken, wenn es um die Bewertung der Bauwerke geht. Eine wirklich nette Idee in ansprechender Ausstattung. (Andreas Mutschke)
Die wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten haben leider auch vor der Spielebranche nicht Halt gemacht und einige Firmen mußten bisher die Segel streichen. Diese Ausfälle sind natürlich zu bedauern, weil sie zum einen viel Leid für die Betroffenen bringen und zum anderen die Spielelandschaft zu verarmen droht. Letzes Opfer dieser Pleitewelle war die Münchner Traditionsfirma Schmidt Spiele, deren Konkursantrag Anfang Juni angenommen wurde. Das ist um so tragischer, als Schmidt gerade in diesem Jahr wieder mit einigen schönen Spielen aufwarten konnte. Das interessanteste möchte ich Ihnen heute vorstellen. "Visionary" ist ein Bauspiel, bei dem mit verschiedenen Holzteilen Türme gebaut werden. Welche, das steht auf Karten und je nach Schwierigkeit bekommt man dafür unterschiedlich viele Punkte. Das Problem dabei ist halt nur, daß man blind bauen muß, nach Anleitung seiner Mitspieler. Außerdem wird im Wettstreit gebaut, entweder zwei Spieler gegeneinander, wobei jedes Team über den selben Satz Bausteine verfügt oder gegen die Zeit, wobei ein Team beginnt und das andere dann die vorgelegte Bauzeit zu unterbieten versuchen muß. "Visionary" zeigt, welche Probleme auftreten, wenn man die gewohnten Sinne nicht mehr einsetzen kann. Und man erkennt auch, wie schwierig es ist, anderen präzise Anweisungen zu geben – mit "Den Teil da vor dir!" fängt der Bauende natürlich wenig an. Und so macht das Bauen nicht nur Spaß sondern man lernt dabei auch etwas. Wer das Spiel also noch irgendwo liegen sieht, sollte unbedingt zugreifen. (Helmut Wresnik) "Visionary" von Ron Dubren, Schmidt Spiele, für 4 - 8 Spieler ab 8 Jahren
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