Word-Whiz

Zugegeben, der Titel von WORD-WHIZ sieht eher aus wie der Entwurf zur neuesten Bonduelle-Werbung, wo Erbsen, Möhren und Böhnchen mit lustigen Gesichtern durch die Szene hüpfen. Nur daß es hier Buchstaben, genauer gesagt Vokale sind, die der Grafiker vermenschlicht hat. Sei's drum, auf jeden Fall ist nicht auf Anhieb erkennbar, daß es sich bei WORD-WHIZ um ein Gesellschaftsspiel handelt. Schade ansich, denn diese Neuheit sollte nicht übersehen werden, wenn man ein peppiges Spiel für einen geselligen Abend sucht. 2-4 Menschen ab 12 Jahren spielen gemeinsam WORD-WHIZ, das schnelle Wortspiel aus dem Verlag eg-Spiele. Der Verlag kommt aus Italien und versucht mit hochklassigen Spielideen den deutschen Markt zu erobern. Der Autor indes stammt aus Bremen, heißt Hajo Bücken und konnte als Spiele- und Spielebuchautor schon diverse ansehnliche Erfolge verbuchen.
WORD-WHIZ ist ein Rennspiel mit Worten. Das klingt seltsam, ist aber schnell erklärt. Jeder Spieler hat ein Plastiktableau mit fünf Lochreihen. Am untersten Ende jeder Reihe wird je ein Spielstein mit dem Aufdruck A, E, I, O und U, den fünf Vokalen, gesteckt. Dann gibt es da noch drei verdeckte Stapel mit Buchstabenkarten, hier allerdings nur Konsonanten. Die drei obersten Karten werden für alle Spieler gut sichtbar aufgedeckt und nun gilt es, möglichst schnell ein Wort zu nennen, in dem alle drei offenliegenden Konsonanten enthalten sind. Wer ein Wort weiß greift blitzschnell nach einem roten Holzstab, dem 'Mikrofon', und nennt sein Wort. Wenn dieses gültig ist, darf der Spieler sich alle enthaltenen Vokale auf seinem Tableau markieren, indem er die entsprechenden Spielsteine vorrückt. Das mit dem Mikrofon sollte man nicht vergessen, doch allzu oft kommt es vor, daß ein Spieler ungeduldig sein Wort nennt, aber leider hilflos zusehen muß, wie ein anderer Spieler schneller mit der Hand am Mikrofon ist, einfach dasselbe Wort wiederholt und Punkte dafür kassiert. So oder so kommt man langsam aber stetig ans Ziel, denn der Gewinner hat am Ende alle Vokalsteine bis zur Zielreihe bewegt. Das Spiel WORD-WHIZ ist ungeheuer lebendig und sprüht geradezu vor Esprit, wenn die Spieler reaktionsschnell, wortgewandt und spontan sind. Dann springt der Funke richtig über. In der ansonsten eher drögen Sparte der 'Wortspiele' ist WORD-WHIZ eine der wenigen fetzigen Ausnahmen. Kinder haben mit WORD-WHIZ meist Probleme, denn mit dem Wortschatz erwachsener Spieler können sie kaum mithalten.

(Andreas Mutschke, Westfälischer Anzeiger)

WORD-WHIZ, für 2 Spieler ab 10 Jahren, eg-Spiele


Spätestens seit diesem Jahr gehört der kleine italienische Verlag editriche giochi zu den ganz Großen, sofern man spielerische Qualität zu Grunde legt, denn die neue "Braintrust-Serie", zu der vier prominente Autoren Ideen beigesteuert haben, kann sich durchaus sehen lassen.

"Word-Whiz" von Hajo Bücken variiert geschickt ein bekanntes Lernprogramm, bei dem man nur die Konsonanten eines Wortes sieht - die Vokale werden also einfach weggelassen - und nun das Wort herausfinden soll. Auf diese Weise, aber das nur nebenbei, wird im Hebräischen geschrieben, wo man keine Vokale kennt.

Bei Bücken hört sich das Ganze nun so an: 55 Karten, auf denen bis auf J und Z (je zweimal) jeder Konsonant genau dreimal vorkommt, werden in drei etwa gleich große Stapel aufgeteilt und die jeweils obersten Karten aufgedeckt. Wer nun am Zug ist, deckt eine neue Karte auf und legt sie auf eine bereits liegende. Alle sehen also drei Konsonanten und müssen nun so schnell wie möglich ein Wort finden, das diese drei Konsonanten beinhaltet. Beispiel gefällig? Nehmen wir an, es liegen W, Q und S, dann könnten Sie zum Beispiel auf "Quellwasser" kommen.

Wer als erster ein passendes Wort findet - wird es nicht anerkannt oder ist es ungültig (siehe dazu auch weiter unten), so setzt man in der nächsten Runde aus -, darf sich dessen Vokale "gutschreiben". Dazu bewegt er die entsprechenden Vokalsteine auf seiner Zählleiste vorwärts. In unserem Fall werden also E um 2 und A und U um je ein Feld weiterbewegt.

Ist ein Stein am oberen Rand angekommen - für A und E wird das sehr bald passieren -, so zählen diese Vokale nicht mehr. Außerdem, und hier beginnt die Sache haarig zu werden, muß in jedem genannten Wort ein Vokal vorhanden sein, der auch gezogen werden kann. Sind also A und E bereits ausgeschöpft, so muß das Lösungswort zumindest ein I, O oder U enthalten, sonst muß man eine Runde aussetzen. Sieger ist natürlich jener Spieler, der es als erster schafft, alle fünf Vokalsteine ganz nach oben zu bringen.

"Word-Whiz" ist ein originelles, aber auch sehr anstrengendes Spiel. Man ist ständig gefordert und kann nur bei erzwungenen Pausen wegen "falscher" Wörter kurz regenerieren. Ein wenig schuld am Streß ist aber auch das Spielmaterial. Zwar sind die einzelnen Buchstaben fetzig gezeichnet, doch lassen sie sich zum Teil recht schwer auseinanderhalten. So gab es bei uns immer wieder Probleme mit "M" und "W" bzw. wurde "C" immer wieder für ein "G" gehalten. Und auch dem "H" hätten weniger Schnörksel sicherlich gut getan.

Ein weiterer Punkt, der bei unseren Spielen immer wieder Anlaß zu kleineren Reibereien gegeben hat, ist das Aufdecken der Karten. Da hier alles auf "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" hinausläuft, haben jene Spieler, die den neuen Buchstaben als erste sehen, einen kleinen, aber manchmal entscheidenden Vorteil. Und da die Hand des Aufdeckers immer jemandem kurzzeitig die Sicht versperrt, wird es auch immer wieder Proteste hageln.

Als einfache Lösung bieten sich hier, abgesehen von aufwendigen elektronischen Hilfen, etwa folgende Möglichkeiten an: Man könnte den aufdeckenden Spieler pausieren lassen und er versucht, möglichst chancengleich aufzudecken, wobei es nun ja nichts ausmacht, wenn er den Buchstaben als erster sieht, oder man geht von dem Schnelligkeitsprinzip ab.

Dazu nehme man sich eine Sanduhr - etwa die von "Kaleidos", wenn man die Zeitspanne kurz halten, bzw. jene von "Boggle", wenn man mehr Zeit haben will - und suche nun in dieser Frist nach geeigneten Worten, die man am besten notiert. Ob man dann alle gefundenen Worte zählen oder nur eines, ist Geschmackssache. Diese Variante bietet übrigens auch jüngeren Spielern eine Chance, die beim Original wohl kaum mithalten werden können.

Damit ließe sich auch das Problem "Wer hat das erste Wort genannt?" leicht lösen. Im Original steht dafür zwar ein Holzstab (Mikrofon) in der Mitte des Spieltisches, den man zuerst erwischen muß, um sein Wort "loswerden" zu dürfen, doch das hat uns nicht sonderlich begeistert. Zum einen, weil sich sowieso niemand daran gehalten hat und zum anderen, weil wir als "Zuma"-Geschädigte von derlei Aktionen in Zukunft die Finger lassen wollen.

Und wem schließlich das volle Spiel zu lange dauert, kann durch entsprechendes Verkürzen der Zählleiste auch die Spieldauer nach Belieben steuern und den Bedürfnissen der Mitspieler anpassen.

Doch trotz dieser kleinen Kritikpunkte, die sich bei einigem guten Willen der Spieler bzw. bei einer Neuauflage durch Korrektur der problematischen Buchstaben als nicht relevant erweisen könnten, überwiegen bei "Word-Whiz" eindeutig die positiven Aspekte. Und daher kann das abschließende Urteil über dieses kleine pfiffige Wortspiel nur lauten: Empfehlenswert!

Helmut Wresnik

"Word-Whiz" von von Hajo Bücken, editriche giochi, für 2 - 4 Spieler ab 10 Jahren.