X-Pasch

Auf der 96er-Spieleveranstaltung in Essen war am Stand von Fanfor in Halle 10 mit der runden Standnummer 1000 fast nie ein freies Plätzchen zu ergattern. Valentin Herman kleckerte in diesem Jahr nicht mit nur einer einzigen Spieleneuheit herum, die ABI-Fortführung ist ja schon obligatorisch, er klotzte so richtig ran und präsentierte drei Spieleneuheiten, die sich alle sehen lassen können! So gut war er noch nie!
BRAUEREI, ein recht komplexes Wirtschaftsspiel rund um den Bierabsatz, ist eine der Neuheiten, mit Plüschtown nähert sich Valentin zum ersten Mal der Kinder-, Familienspielecke (ab 6 Jahren). Mir persönlich am besten gefällt das kleinste Spiel in seiner Neuheitengalerie: X-PASCH, eine pfiffige Würfel- und Kartenspielspielsymbiose für drei bis sechs Spieler ab 8 Jahren. Das Spielmaterial - über 200 Holzsteine, 55 Spielkarten, 3 Würfel und eine Spielanleitung - füllt eine Videocassetten-Verpackung randvoll. Der Preis ist mit 25.- DM für einen Kleinverlag sicherlich äußerst knapp kalkuliert. Für uns Verbraucher heißt das : Zugreifen - billiger wird's garantiert nicht.
Und das Zugreifen lohnt. X Pasch ist ein tolles Spiel, bei dem viele zwar am Anfang sagen: " Ach, Reibach-Abklatsch!" Mit diesem Vorurteil sollte man aber gar nicht erst an das Spiel herangehen, es ist eine originäre Spielentwicklung, die im Bereich Karten-, Würfel- oder auch Wirtschaftsspiel angesiedelt werden kann. Jeder Spieler hat zu Beginn drei Spielkarten auf der Hand, die Firmen repräsentieren, außerdem erhält jeder Spielsteine einer Farbe, die Vorstandsmitglieder darstellen sollen. Die Vorstände versucht man in ausliegenden Firmen unterzubringen, um dort das Sagen zu haben, das heißt, mehrheitlich vertreten zu sein. Jedes Mal, wenn man wieder an der Reihe ist, kassiert man für die Firmen, die man unter Kontrolle hat, Profit (Euro). Die Firmen werfen zwischen einem und neun Euro Rendite ab. Hat einer der Spieler 120 Euro kassiert, endet das Spiel. Alle, die in dieser Spielrunde noch nicht an der Reihe waren, erhalten aber noch eine Wertung, so daß nicht automatisch der gewonnen hat, der als erster die 120 Euro erreicht hat. Wie bringt man nun Firmen ins Spiel und wie lassen sich die Vorstandsmitglieder plazieren? Hier helfen je ein roter, grüner und blauer 6er-Würfel weiter. Ein Wurf bietet verschiedene Möglichkeiten:
Man kann Firmen aus seinen Handkarten auslegen, wenn man die Ziffer, die sich auf jeder Firmenkarte befindet, genau erreicht hat. So lassen sich kleine Werte mit einer Würfelzahl auslegen, bei größeren Werten benötigt man zwei oder alle drei Würfel. Manche Karten verlangen einen bestimmten Pasch oder einen beliebigen, dieser hat dem Spiel den Namen gegeben, das ist nämlich der X-Pasch. Für die Firmengründung dürfen je nach Vorgabe der Karte ein bis vier Vorstandsmitglieder in der Firma plaziert werden. Bleiben Würfelwerte ungenutzt oder wird gar keine Karte ausgelegt, lassen sich mit Hilfe der Würfelkombination Vorstandsveränderungen in anderen Firmen vornehmen. Jeder dazu benutzte Würfel entspricht einem Vorstandsmitglied, so daß im Regelfall maximal drei Spielsteine neu gesetzt werden dürfen. Auch hier gilt wie beim Kartenauslegen, die Firmenziffer muß genau getroffen werden. Mit einer 5 - 3 und 2 könnten also drei Steine auf einer 10er-Karte untergebracht werden, aber auch zwei Steine auf einer 8er-Karte und ein Stein auf einer 2er-Firma. Würde der letzte Würfel nicht genutzt, darf man dafür unter bestimmten Bedingungen eigene Vorstandsmitglieder verschieben. Eine besondere Ausnahme betrifft den Drillingwurf: Mit fünf Vorständen, auf einer beliebigen Karte ablegbar, kann man voll zuschlagen, außerdem darf noch eine Handkarte gespielt werden. Am Ende des Zuges zieht man eine neue Firmenkarte, von denen die Spieler maximal fünf auf der Hand haben dürfen.
Schon bei den ersten Spielen sollten die optionalen Regeln berücksichtigt werden, zumindest aber die "Konkurswurf"-Ergänzung. Mit diesem Wurf lassen sich starke Konzerne agitieren. Der Spielverlauf von X Pasch ist nämlich anfangs eher langsam, die ersten Renditen tröpfeln zögerlich. Ab der achten Runde kann es aber dann ganz schnell gehen, wenn Gewinne über 20 Euro gemacht werden, ist das Ziel mit den 120 Euro schnell erreicht. Ein Spieler, der zum Beispiel einen Drillingswurf hatte und sonst auch noch viele Vorstandsmitglieder auf ein, zwei renditeträchtigen Karten plazieren konnte, ist fast uneinholbar. Hier schafft die Ergänzungsregel Abhilfe und sorgt außerdem für zusätzliche Stimmung am Spieltisch. Statt eines normalen Wurfs kann jeder Spieler diesen Sonderwurf ankündigen. Mit den gewürfelten Zahlen wird eine Firma in die Pleite getrieben, die damit ihre gesamten Vorstandsmitglieder in die Wüste schicken muß, d.h., sie gehen zurück an den Spieler. Auch wenn der Glücksfaktor eine ziemlich große Rolle bei X Pasch spielt, der Überblick über die mit der Zeit zahlreich ausliegenden Firmen nicht einfach ist und ständig gerechnet werden muß, waren alle Spielgruppen, denen ich Hermans neues Spiel vorgestellt habe, begeistert. X Pasch kommt immer wieder auf den Tisch. Ein echter Volltreffer des Autors, der hoffentlich die sicherlich zahlreich eintreffenden Bestellungen alle befriedigen kann.

(Wieland Herold)

"X-Pasch" von Valentin Herman, Fanfor Verlag, für 3 - 6 Spieler ab 8 Jahren