Gefördert: Spieleolympiade in der JVA Meppen

Am drei Tagen im Mai und Juni 2018 fand in der JVA Meppen ein Spieleturnier statt. Angeboten wurde es vom katholischen Gefängnisseelsorger Heinz-Bernd Wolters. Im Vorfeld musste die Grundidee eines Spieleturniers an die speziellen Rahmenbedingungen der JVA Meppen angepasst werden. Es musste ein Antrag an den Sicherheitsdienstleister gestellt werden, um dieses Turnier genehmigen zu lassen. Desweiteren wurde festgelegt wie viele Teilnehmer maximal möglich sind, welcher Raum genutzt werden soll und ob es in den Terminplan der JVA hineinpasst.

Der zeitliche Rahmen ist durch mehre Bedingungen beschränkt: Da die meisten Inhaftierten zur Arbeit gehen oder eine schulische oder berufliche Ausbildung machen, können Angebote erst nach 16.00 Uhr gemacht werden. Nach dem Niedersächsischen Justizvollzugsgesetz steht jedem Inhaftierten eine Freistunde am Tag zu. Für die JVA Meppen bedeutet es, dass die Freistunde für die Inhaftierten in der Zeit von 16.00 -17.00 Uhr stattfindet. In der Zeit von 17.00 – 17.30 Uhr findet die Abendessenausgabe statt und im Anschluss haben die Inhaftierten Freizeit bis 19.00 Uhr.

Für das Spieleturnier wurden 7 Gesellschaftsspiele ausgesucht, die an drei Nachmittagen jeweils in der Zeit von 16.00 bis 19.00 Uhr gespielt werden sollten. Die Teilnehmer mussten bereit sein, an den Tagen auf ihre Freistunde zu verzichten und sie mussten dafür Sorge tragen, dass ihr Abendessen zurückgestellt wird. Mit einem Aushang auf den Stationen und in den Kirchengruppen wurde für das Spieleturnier geworben. Die Interessenten mussten sich mit einen im niedersächsischen Justizvollzug verwendeten Antragsformular bei Heinz-Bernd Wolters anmelden. Die Teilnehmer wurden auf einer Teilnehmerliste gesammelt und diese dem Sicherheitsdienstleister zur Genehmigung vorgelegt. Im Anschluss wurde den Teilnehmern die Teilnehmergenehmigung mit Informationen zu der Veranstaltung ausgehändigt.

  

Beim ersten Termin wurden zunächst die Turnier - Modalitäten vorgestellt. Anschließend setzten sich die Teilnehmer an die vorbereiteten Tische mit den jeweiligen Spielen. Vor jedem Spiel wurden die Spielregeln mit Hilfe von YouTube – Erklärvideos und durch Erläuterungen des katholischen Gefängnisseelsorgers vorgestellt. Während der Spiele musste immer wieder weitere Erklärungen durch Herrn Wolters gegeben werden. Auch einige Teilnehmer machten sich mit den Spielregeln vertraut, die jeweils an den Spieltischen ausgelegt waren. Am ersten Termin wurden folgende die Spiele „Kingdomino“, „Ubongo“ und „Camel Cup“ gespielt. Aus zeitlichen Gründen konnte nur jeweils eine Hälfte der Teilnehmer „Ubongo“ bzw. „Kingdomino“ spielen. Beim zweiten Termin wurden die Spiele „Imhotep“ und „Qwirkle„ gespielt. Beim dritten Termin wurden schließlich die Spiele „Einfach Genial“ und „Carcassone“ gespielt. Bei diesem Termin spielten zusätzlich jeweils die Hälfte der Teilnehmer „Kingdomino“ bzw. „Ubongo“, die diese Spiele am ersten Tag noch nicht gespielt hatten.

Bei den Spielen konnten die Teilnehmer Punkte durch ihre Platzierungen gewinnen. Diese Punkte wurden für jedes Spiel in einer Tabelle eingetragen und am Ende des dritten Spieltags wurden die Ergebnisse ausgewertet und Preise verteilt.

Bemerkenswert war, dass ein Spieler die volle Punktzahl erreicht hat, obwohl er nur eins der sieben Spiele bereits kannte. Ein Teilnehmer kam zum Ende des Turniers zu mir und wollte den Namen des Spiels „Ubongo“ wissen. Ich teilte ihm diesen mit und er notierte sich den Namen auf seinem Unterarm. Er hatte sich als Tattoo einen „Notizzettel“ auf den Arm tätowieren lassen. Er erklärte dies damit, dass er diesen „Notizzettel“ für die Arbeit nutzt, um Maße eintragen zu können.

Fazit: Die Organisation eines Spieleturniers über drei Termine mit jeweils drei Stunden sowie die Einführung der neuen Spiele ist eine große Herausforderung. Erschwerend kam hinzu, dass einige der Teilnehmer nur begrenzte deutsche Sprachkenntnisse haben. Trotzdem erwies sich das Turnier als Erfolg. Alle Teilnehmer haben kontinuierlich an den drei Tagen teilgenommen. Seitens der Teilnehmer gab es viele positive Rückmeldungen. Es ist aufgrund dieser positiven Erfahrungen geplant diese Veranstaltungsform regelmäßig in der Anstalt anzubieten.

Heinz-Bernd Wolters
Pastoralreferent an der JVA Meppen

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