Gefördert: Aufbau einer Spielothek im Ev. Kinder- und Jugendhaus Rottmannshof

Das Kinder- und Jugendhaus Rottmannshof ist seit über 30 Jahren eine fest installierte Freizeiteinrichtung im Dorstener Stadtteil Wulfen-Barkenberg. Es bietet Kindern und Jugendlichen freizeitpädagogische und außerschulische Bildungsprogramme. Träger der Jugendeinrichtung ist der Verband Ev. Kirchengemeinden Dorsten. In Wulfen-Barkenberg leben im Vergleich mit der Gesamtstadt überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche, die Transferleistungen beziehen. Täglich besuchen, mit saisonalen Schwankungen, bis zu 70 Kinder und Jugendliche die Einrichtung.

Zielgruppe der Arbeit des Jugendhauses sind deutsche und ausländische Mädchen und Jungen, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und Kinder und Jugendliche aus Familien mit Migrationshintergrund und aus Flüchtlingsfamilien. Die besondere Aufmerksamkeit gilt Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, auf die eines oder mehrere der folgend aufgeführten Merkmale zutrifft:

  • kognitive und emotionale Defizite/teilweise Analphabetentum und psychische Verwahrlosung
  • Kommunikationsstörungen und Sprachbarrieren
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Drogen- und Alkoholmissbrauch
  • Gestörte Eltern-Kind-Beziehung
  • Arbeitslosigkeit
  • Schulschwierigkeiten
  • Interkulturelle Konflikte/stark ausgeprägtes kulturell bedingtes Rollenverhalten
  • Sexueller Missbrauch
  • Soziale Unsicherheit/Verarmung
  • Zunehmendes Aggressions- und Gewaltpotential
  • Eigentumsdelikte

Ziel der Offenen Arbeit ist es, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Hilfen zu bieten und sie zu befähigen,

  • ihre Persönlichkeit in einer gewaltfreien und partnerschaftlichen Umgebung frei zu entfalten,
  • sich an gesellschaftlichen, kirchlichen und politischen Veränderungsprozessen zu beteiligen,
  • im Rahmen interkultureller Arbeit Menschen anderer Kulturen vorurteilsfrei zu begegnen,
  • Freizeit sinnvoll zu gestalten,
  • sich Kompetenzen anzueignen und selbständig zu erweitern

Im Rottmannshof hat das gemeinsame Spielen schon immer einen hohen Stellenwert. Neben dem Spielen an Spielekonsolen, Kickern und Billard finden sich Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen zu Spielerunden zusammen. Sind die Spielregeln einmal verstanden, sind Sprachbarrieren, ne nach Ausrichtung des Spiels, oft unerheblich. Spielen verbindet die Kinder und Jugendlichen, der soziale und kulturelle Hintergrund wird unwichtig. 
Oft äußerten die Besucher/innen in der Vergangenheit den Wunsch, gerne auch am Wochenende oder in den Ferien mit Familie und Freunden Brett- und Kartenspiele spielen zu können, doch fehlt ihnen geeignetes Spielmaterial. Das Jugendhaus verfügte zwar über ein großes Repertoire an Spielen, doch waren diese oft alt, abgegriffen und teilweise unvollständig. Dank der Förderung durch „Spiel des Jahres e. V.“ konnten wir im Jahr 2018 eine Spielothek für Kinder und Jugendliche in Barkenberg einrichten. Gemeinsam mit den Besucher/innen wurde eine Wunschliste mit alten und neuen Spielen von unterschiedlichen Altersgruppen erstellt. Fachlich beraten wurden wir von der Familie Hantke, die den Besucher/innen und Mitarbeiter/innen an mehreren Nachmittagen und Abenden alte und neue Spiele vorstellte und die Bestellung übernahm. Nachdem die Spiele geliefert wurden, stellte sich die Frage, wie sie zu präsentieren seien, damit sie einen hohen Aufforderungscharakter zum Gebrauch vermittelten.
Kurzfristig wurden Regale aus Eigenmitteln erworben, die nun eine ganze Wand im Aufenthaltsbereich des Jugendhauses ausfüllen. Diese wurden gemeinsam mit den Besucher/innen bestückt, wobei darauf geachtet wurde, dass Spiele nach Altersgruppen sortiert, zusammengestellt wurden. Dadurch ist es einfacher, Spiele für die unterschiedlichen Zielgruppen herauszusuchen.

Ergänzt durch die noch spielbaren Bestände des Jugendhauses, verfügt der Rottmannshof nun über eine ansehnliche Spielesammlung. Kinder und Jugendliche können sich registrieren lassen und dann mit ihrem Spieleausweis auch Spiele fürs Wochenende ausleihen. Leider wird von dieser Möglichkeit noch nicht so viel Gebrauch gemacht, wie wir es uns wünschten, doch erwarten wir hier in der nächsten Zeit noch eine Steigerung durch entsprechende Werbung und Berichterstattung in den Dorstener Printmedien.

Am letzten Wochenende im November boten wir unter Mitarbeit der Familie Hantke einen Spieleworkshop für Besucher/innen und Mitarbeiter/innen an. Von Samstagnachmittag bis Sonntagmittag wurde in unterschiedlichen Runden gespielt. Selbstverständlich stand der Spaß im Vordergrund, doch ist es uns auch wichtig, möglichst viele Besucher/innen und Mitarbeiter/innen zu befähigen Spielerunden zu initiieren, anzuleiten und Spielfreude weiterzugeben. Diese Workshops werden wir künftig halbjährlich anbieten. Zum Besuch der Spielemesse in Essen meldeten sich 12 Jugendliche bei uns an.

Insgesamt haben wir eine sehr positive Resonanz auf das Spieleangebot erhalten. Wir konnten die Freude am Spielen bei vielen Besucher/innen (neu) wecken und sie neugierig auf neue Spiele machen. Während des aktiven Spielens beobachten wir eine Zunahme an Kommunikation, respektvollen Umgangs miteinander, Hilfsbereitschaft und Verantwortung für die Gestaltung der Spielerunden sowie eine gesteigerte Konzentration und das Bestreben, alle Teilnehmenden zu integrieren. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, treten soziale und kulturelle Unterschiede in den Hintergrund. Andere pädagogische Ziele, die wir über Spieleangebote erreichen wollen, brauchen einen längeren Zeitraum, um sie aussagekräftig zu beschreiben. Inwieweit sich das Spielen auf das allgemeine Wohlbefinden, Verbesserung des sprachlichen Ausdrucks und der Kulturtechniken, Kompensation von Schwächen, Selbstkompetenz und Selbstbewusstsein unserer Besucher/innen auswirkt, könnte zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulativ beschrieben werden.

Heidemarie Müller
Leitung Kinder- und Jugendhaus Rottmannshof

Deutsch